Urteil: „Fettes Schwein“ als Emoji ist auch eine Beleidigung

von Stephan Weinberger

Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg hatte sich mit einem Fall der Beleidigung von Vorgesetzten in der Kommentarfunktion der Facebookchronik eines Arbeitskollegen mittels Emoticons beschäftigen müssen. In der unterhaltsamen Urteilsbegründung klärt das Gericht die Beteiligten nicht nur über die Missinterpretation des Affenkopf-Emoticon als Bärenkopf auf, sondern bietet auch Einblick in die Erklärungen des Klägers über die Rechtfertigung von Spitznamen wie „Spanferkel“, „Bärenkopf“ und „Lars Ricken„.

Der Mitarbeiter M. I. war seit 17.07.2015 wegen eines Arbeitsunfalls arbeitsunfähig erkrankt. Er verletzte sich an der Hand. Herr I. postete seine Verletzung in seiner Facebook-Chronik. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion in der Kommentarfunktion, an der sich 21 Personen beteiligten, unter anderem der Kläger und vier weitere Mitarbeiter der Beklagten (G. L., J. N., I. T. und M. S.). Die Diskussion handelte vom Arbeitsunfall und der Krankmeldung des Herrn I. sowie um den Zeitpunkt dessen Rückkehr in den Betrieb der Beklagten. Die Diskussion nahm, soweit vorliegend von Interesse, folgenden Verlauf:

Die Beklagte kündigte daraufhin das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger außerordentlich und fristlos. Der Kläger erhob Kündigungsschutzklage zum Arbeitsgericht. Die Beklagte beantragte, die Klage abzuweisen. Das Arbeitsgericht hat mit Urteil vom 08.12.2015 festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis des Klägers nicht durch die beiden streitgegenständlichen Kündigungen der Beklagten aufgelöst wurde. Die Beklagte wurde zur Weiterbeschäftigung des Klägers verurteilt. Angesichts einer 16-jährigen beanstandungslosen Tätigkeit des Klägers sei dessen Interesse an einer Weiterbeschäftigung höher zu bewerten als das Interesse der Beklagten, nur Mitarbeiter ohne Fehl und Tadel zu beschäftigen. Eine Abmahnung genüge.

Der Arbeitgeber ging gegen das Urteil in Berufung ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK