Chinese will Diebstahl anzeigen und landet im Flüchtlingsheim

von Stephan Weinberger

Ein 31-jähriger Chinese hat sich seinen Europa-Urlaub sicherlich etwas anders vorgestellt. Zuerst stand Heidelberg auf dem Programm, dann sollte es weiter nach Paris zum Eiffelturm und schließlich nach Rom zur Spanischen Treppe gehen. In Heidelberg wurde er aber bestohlen und wollte den Diebstahl bei der Polizei anzeigen, fragte dafür im Rathaus nach. Durch eine Kette diverser unglücklicher Missverständnisse und dem Problem der Verständigung ohne Dolmetscher landete der Mann schließlich für eine Woche in einem Flüchtlingsheim in Dülmen.

Wie kam es zu dieser Rundreise durch die deutsche Bürokratie? Eigentlich wollte der chinesische Urlauber nur einen Diebstahl bei der zuständigen Polizeidienststelle in Heidelberg zur Anzeige bringen. Der Mann fragte wohl zuerst bei anderen Behörde nach – vermutlich im Rathaus. Genau nachvollziehen lässt es sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr, gibt Christoph Schlütermann aus dem Kreisvorstand des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an. Zusammen mit Kaudio Kolakovic, Einrichtungsleiter der Flüchtlingsunterkunft in Dülmen, hatten sie sich um den Mann gekümmert.

Es war nämlich nicht eine Diebstahlsanzeige, die der 31-Jährige unterschrieb, sondern ein Asylantrag. Damit begann das bürokratische Verfahren zu laufen. Sein Reisepass wurde im Zuge des Verfahrens eingezogen und entsprechende Dokumente für Flüchtlinge ausgehändigt. „Der Mann sprach weder Englisch noch Deutsch“, so DRK-Vorstand Christoph Schlütermann. „Nur Mandarin.“ Eine Verständigung war somit nicht möglich. Über Dortmund-Buschmühle kam der Chinese schließlich in die Dülmener Unterkunft und verbrachte dort nach ärztlicher Untersuchung und der Abnahme von Fingerabdrücken rund eine Woche.

Neben Essen und Trinken sowie einen Schlafplatz nahm der Mann auch das Taschengeld an ...

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