Der Donald-Test

von Maximilian Steinbeis

(c) Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0

Es wurden viel Mutmaßungen angestellt, warum in Deutschland nach dieser Woche des Schreckens die öffentliche Stimmung sich so erstaunlich angstresistent erweist. Der Bundesinnenminister empfiehlt uns im SPIEGEL, unsere Angst „auszuhalten“, anstatt nach irgendwelchen brachialen Sicherheitsmaßnahmen zu schreien, und das tun wir zum großen Verdruss von Henrik M. Broder und seinesgleichen im Großen und Ganzen auch. Im Spiegel der Medien schauen wir Deutschen uns auf wahlweise „heroisch gelassene“ oder „mürrisch indifferente“ Weise entgegen, und was wir da sehen, das gefällt uns ziemlich gut.

Ob uns diese Haltung auch gelänge, wenn – sagen wir mal – anstatt eines psychisch labilen Teenagers mit „Arier“-Rassismus im Kopf und scharf gemachter Theaterwaffe in der Hand tatsächlich drei regelrechte IS-Kämpfer mordend durch München gezogen wären, wie zeitweise zu befürchten war? Darüber kann man lange spekulieren, genauso wie über die Frage, wie lange wir gelassen respektive indifferent blieben, wenn aus dieser Woche voller Horrormeldungen Monate oder gar Jahre würden.

Vor allem aber scheint mir der Ansatz, das Ausbleiben einer aufgeheizten Sicherheitsdebatte durch Haltung zu erklären, aus ganz anderem Grund fragwürdig.

Zusammenbrechende verfassungskulturelle Gewissheiten

Jeder, der sich im Moment in Europa und der Welt umschaut, sieht in allen Himmelsrichtungen Verfassungsordnungen schwanken oder zusammenbrechen. Die Türkei hat sich binnen zweier Wochen von einer ins Autoritäre neigenden Demokratie zu einer brutalen Autokratie gewandelt, in der für geteilte Meinungen darüber, wen zu ermächtigen und was mit der Macht anzufangen, auf absehbare Zeit überhaupt kein Raum mehr vorhanden sein wird ...

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