ARTE Dokumentation: Schattenwelt BND

von Christian Wickert

Abhören unter Freunden – das geht gar nicht!

Dieser Satz, den Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer 2013 angesichts der bekannt gewordenen Spionageaktivitäten des US-amerikanischen Geheimdienstes sagte, könnte Leitthema der gestern auf ARTE ausgestrahlten Dokumentation „Schattenwelt BND. Wie viel Geheimdienst braucht Deutschland?“ gelten.

Die beiden Autoren Rainald Becker, Chefredakteur der ARD, und der Dokumentarfilmer Christian Schulz dokumentieren in ihrem Beitrag – auch anhand von Gesprächen mit namhaften Interviewpartnern – die zumindest fragwürdigen Spionageaktivitäten des Bundesnachrichtendienstes, die denen der US-amerikanischen Kollegen in wenig nachstehen und stellen die Frage, welche politische/ gesellschaftliche Kontrolle dem deutschen Geheimdienst entgegenzustellen ist. Sehr eindrücklich zeigen die Filmemacher auf, mit welchen Schwierigkeiten sich die Mitglieder des NSA-Untersuchungsausschusses bei ihrer Arbeit konfrontiert sehen und stellen auch die Frage nach dem grundsätzlichen Nutzen einer umfassenden staatlichen Kontrolle der elektronischen Kommunikation als Mittel im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Es liegt im Wesen eines Geheimdienstes, dass seine Arbeit im Verborgenen stattfindet. Und obwohl den Machern von „Schattenwelt BND“ u.a. Einblick in die BND-Abhörzentrale in Pullach und die noch im Bau befindliche neue BND-Zentrale in Berlin gewährt wird, bleiben am Ende der 90-minütigen Dokumentation viele Fragen ungeklärt. Klar wird lediglich, dass mit der Absetzung des ehemaligen Geheimdienst-Chefs, Gerhard Schindler, alle vorsichtigen Reformbemühungen und politische Kontrollbestrebungen bis auf Weiteres gescheitert sind.

Der wirklich sehenswerte Beitrag, der m.E. ein heißer Anwärter für den Surveillance-Studies-Preis für Journalisten 2017 ist, wird am Freitag, den 29 ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK