Anbiederungsbesuche

von Udo Vetter

Als Anwalt lege ich normalerweise keine schriftliche Vollmacht bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht vor. Das hat gute Gründe, die ja auch schon öfter mal Thema hier im law blog waren. Allerdings ist das kein Grund für mich, mir keine schriftliche Vollmacht geben zu lassen. Denn das Stück Papier kann gerade in einem Fall viel Stress, Zeitverlust und gravierende Rechtsnachteile für den Mandanten ersparen, wenn ich es im richtigen Zeitpunkt zur Hand habe.

Es gibt mitunter biestige Staatsanwälte, die ein ganz besonderes Hobby pflegen. Sie sehen es als ihre Aufgabe, einem Beschuldigten in Untersuchungshaft sogenannte „Anbiederungsbesuche“ von Rechtsanwälten zu ersparen. Damit sind jene Strafverteidiger adressiert, die in publikums- oder geldträchtigen Fällen Beschuldigte auch schon mal ungebeten aufsuchen und ihnen erzählen, dass sie alles viel besser können als der bisherige Verteidiger.

Über solche Anbiederungsbesuche will ich nicht urteilen. Mein Stil sind sie nicht. Aber häufig genug kommt es natürlich vor, dass Angehörige oder Freunde sich um einen (plötzlich) Inhaftierten sorgen und wollen, dass er einen vernünftigen Anwalt bekommt. Das wiederum ist für mich ausreichender Anlass, eine Besuchserlaubnis zu beantragen. Der Inhaftierte selbst ist ja praktisch von jeder Kommunikation ausgeschlossen ...

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