Chemtrails im Landtag

von Thorsten Koch

Der in den letzten Jahren stark gestiegene Flugverkehr hat zur Folge, dass auch die Kondensstreifen zahlreicher geworden sind. Dies wiederum lenkt die Aufmerksamkeit auf den Umstand, dass sich die Abgase von Flugzeugen in Abhängigkeit von Wetterlage und Flughöhe unterschiedlich schnell auflösen. Manche Menschen hängen daher dem letztlich auf mangelnder Sachkunde beruhenden Glauben an, es handele sich um giftige „Chemtrails“, denen eine Verschwörung finsterer Mächte (meist aus den USA) zugrunde liege, die aus unerfindlichen und in der Szene kontrovers diskutierten Gründen diverse ebenfalls nicht exakt feststehende Chemikalien über den Menschen ausgießen.

Dass es sich dabei um groben Unfug handelt, liegt im Grunde auf der Hand und ist durch Heranziehung sachkundiger Quellen relativ leicht feststellbar. Indes ist es ein Kennzeichen von Verschwörungsjunkies, dass sie ein stabiles Immunsystem gegenüber Tatsachen entwickelt haben.


Und an dieser Stelle kommt der niedersächsische Landtagsabgeordnete Martin Bäumer von der CDU ins Spiel. Dieser offenbar nicht hinreichend ausgelastete Parlamentarier machte sich bereits im vergangenen Jahr zum Sprachrohr „besorgter Bürger“ und startete eine kleine Anfrage, in der er nach den Erkenntnissen der Landesregierung zu den Chemtrails fragte. Das sorgte für Heiterkeit, der Forderung nach Verleihung des „Goldenen Aluhuts“ an den wissbegierigen Abgeordneten, dröhnendem Schweigen der eigenen Fraktion und einer ernsthaften Antwort der Landesregierung, in der dargelegt wurde, dass es keine Chemtrails gibt.


Nun funktionieren Verschwörungstheorien nach dem Prinzip der Bielefeld-Verschwörung, dem zufolge ihre Kritiker automatisch Teil der Verschwörung sind. Die Antwort konnte daher nicht zur Zufriedenheit der Chemtrail-Gläubigen und ihres parlamentarischen Repräsentanten ausfallen ...

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