Lebenslang für versuchten Mord?

von Udo Vetter

Lebenslang. Das fordert der Generalbundesanwalt für das Messer-Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Die Politikerin hat den Angriff mit viel Glück knapp überlebt. Somit ist der Angreifer lediglich wegen versuchten Mordes angeklagt. Ihn trotzdem mit der Höchststrafe zu belegen, geht das überhaupt?

Gut, die Antwort ergibt sich schon aus dem Umstand, dass die oberste Anklagebehörde Deutschlands so eine Bestrafung ernsthaft in öffentlicher Hauptverhandlung fordert. Alles andere wäre ja nur peinlich. Ich will aber trotzdem kurz erläutern, wieso versuchter Mord bestraft werden kann wie vollendeter Mord.

Wichtigster Grund: Das Strafgesetzbuch ist – für manchen sicher überraschend – keineswegs so formuliert, dass der Versuch einer Straftat immer milder zu bestrafen ist als eine vollendete Tat.

Der maßgebliche Paragraf (§ 23 StGB) spricht nur davon, dass der Versuch milder bestraft werden kann. So viel steht also fest: Ein Muss ist ein Strafrabatt also keinesfalls. Allerdings gibt es über diese (zwingende) Wortauslegung des Gesetzes schon keine Wahrheiten mehr. Denn wie das Wörtchen „kann“ in der Praxis auszugestalten ist, darüber gehen die Meinungen seit jeher weit auseinander und füllen ganze Bibliotheken.

Deshalb nur kurz meine persönliche Meinung. Gerade weil es um versuchten Mord geht, halte ich persönlich die Forderung der Bundesanwaltschaft für übertrieben ambitioniert. Lebenslang, so wie es im Gesetz steht, ist ja schon bei vollendetem Mord kein lebenslang ...

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