LAG München: 50.000 Euro für "Praktikantin"

von Christian Rolfs

LAG München: 50.000 Euro für "Praktikantin" von Prof. Dr. Christian Rolfs, veröffentlicht am 16.06.2016

Fast 50.000 Euro Arbeitsentgelt (inkl. Steuern und nachzuzahlender Sozialversicherungsbeiträge) hat eine junge Frau beim LAG München erstritten. Vor über fünf Jahren hatte sie als 16-Jährige nach ihrem Realschulabschluss bei einem Versicherungs- und Finanzvermittler in der bayerischen Landeshauptstadt angefangen. Sie wollte Fachberaterin für Finanzdienstleistungen werden. Das Vertragsverhältnis war als "Praktikum" bezeichnet, die Frau erhielt monatlich 300 Euro - für eine 43-Stunden-Woche. Macht immerhin 1,61 Euro Stundenlohn.

Großzügig, wie ihr Chef war, sagte er im Praktikumsvertrag auch theoretischen Unterricht einmal pro Woche zu. Allzu viel Theorie hat er aber wohl nicht vermittelt: Der "Unterricht" fand in seinem Privathaus am Chiemsee statt und bestand u.a. darin, dass die Klägerin gemeinsam mit anderen Praktikanten den Rasen mähen durfte. Kaum zu überraschen vermochte angesichts dieser "Ausbildung", das sie bei der Prüfung zur Fachberaterin vor der Industrie- und Handelskammer durchfiel.

Mindestlohn statt üblicher Vergütung?

Nicht ganz überzeugend mutet allerdings die Begründung des Gerichts an, wie sie in den Presseberichten wiedergegeben wird: Die vereinbarte Vergütung sei sittenwidrig niedrig, die Vergütungsvereinbarung daher unwirksam, § 138 BGB (insoweit sicher richtig). Der Klägerin stehe aber nicht die übliche Vergütung aus § 612 Abs ...

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