Nachvergütung eines Journalisten?

von Christopher A. Wolf

Kann ein freier Foto-Journalist von seinem Verlag, mit dem er eine vertragliche Abrede getroffen hat, seine Bilder für EUR 10,00 pro Fotobeitrag in Tageszeitungen veröffentlichen zu lassen, einen urheberrechtlichen Nachvergütungsanspruch wegen unangemessen niedrigem Honorar geltend machen?

Ein Journalist war viele Jahre für einen Zeitungsverlag aus Essen als Fotograf tätig und lieferte ihnen regelmäßig Bilder, welche als Bildbeiträge in verschiedenen Ausgaben von dem Verlag verlegter Tageszeitungen veröffentlicht wurden. In diesem Rahmen lieferte der Foto-Journalist im Jahre 2010 insgesamt 1.329 Bildbeiträge, im Jahre 2011 eine Gesamtmenge von 1.277 Bildbeiträgen und 2012 die Summe von 891 Bildbeiträgen.

Für die Fotos erhielt der Journalist ein Netto-Honorar von EUR 10,00 pro Beitrag. Das Honorar wurde vertraglich unabhängig von der Größe des veröffentlichten Bildes und der Auflage der jeweiligen Zeitung vereinbart. Die Gemeinsamen Vergütungsregeln zu Bildhonoraren für freie hauptberufliche Journalisten bemessen die Bildhonorare nach der Größe des Bildes und der Auflagenstärke der Zeitung. Dabei liegen die Netto-Honorare für Erstdruckrechte zwischen EUR 19,50 und EUR 75,50.

Der Journalist verlangte von dem Verlag eine entsprechende Nachvergütung aus dem Urheberrecht, da er das mit dem Zeitungsverlag vereinbarte Honorar als unangemessen niedrig empfand und bekam in erster Instanz vor dem Landgericht Bochum Recht. Das Landgericht verurteilte den Verlag zu einer Nachvergütung von EUR 76.000,00, wobei die vom Verlag bereits bezahlten Honorare bereits angezogen wurden.

Gegen diese Entscheidung legte der Zeitungsverlag Berufung ein. Aus Sicht des Verlages sei eine Vergütung von EUR 10,00 zum damaligen Zeitpunkt für ein Foto, das im Lokalteil einer Regionalzeitung mit einer Auflage zwischen 2.500 und 13 ...

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