Im Arbeitszeugnis ein „e“ zuviel – Querulatorische Klage?

von Andreas Stephan

im Arbeitsrecht kommt es immer wieder mal vor, dass Arbeitnehmer – aus welchen Gründen auch immer – mit den ihnen ausgestellten Arbeitszeugnissen unzufrieden sind. Meistens gibt es Streit darüber, ob die Qualität der entsprechenden Arbeitsleistung angemessen beurteilt wurde. Nicht so in diesem Fall: Das Arbeitsgericht Düsseldorf musste sich vor einigen Jahren mit einem kuriosen Zeugnisstreit der etwas anderen Art befassen: Eine Arbeitnehmerin bemängelte, dass in ihrem Arbeitszeugnis, das auf Grund eines Prozessvergleichs zu erteilen war, ein „e“ zuviel stehe, bedingt durch einen Rechtschreibfehler.

In dem Zeugnis hieß es: „Aufgrund ihrer Persönlichkeit, ihres gradlinigen verbindlichen Wesens sowie ihres loyalen integeren Verhaltens….“. Damit konnte und wollte sich die Arbeitnehmerin nicht zufrieden geben. Sie wollte das Zeugnis berichtigt haben, weil aus ihrer Sicht die Schreibweise „integeren“ falsch sei. Das Wort „integer“ sei aus der lateinischen Sprache entlehnt und werde im Deutschen den lateinischen Formen entsprechend dekliniert.

Der Arbeitgeber hat sich damit verteidigt, dass diese Schreibweise in Literatur und Presse generell üblich sei, was durch Einholung eines demoskopischen Sachverständigengutachtens unter Beweis gestellt werde. So habe es beispielsweise in einem Artikel der Rheinischen Post über den ehemaligen Manager des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf geheißen, er habe gesagt, er lasse sich vom Präsidenten des Fußballvereins “nicht den Ruf eines integeren Mannes kaputtmachen“. Damit sei klar, dass die gebrauchte Schreibweise zumindest in Düsseldorf ortsüblich sei. Darüber hinaus sei aus Sicht des beklagten Arbeitgebers bereits die Klage ein Missbrauch der kostbaren Arbeitszeit des Gerichtes und querulatorisch ...

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