Gauland

Auf YouTube kann man einige „Reden“ bestaunen, die der frühere NPD-Politiker und Abgeordnete des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern Raimund Borrmann im Plenarsaal eben dieses Landtags „gehalten“ hat. Die Anführungszeichen setze ich, weil Borrmann in diesen Aufnahmen über einen Satz nur selten hinauskommt. Unter Missachtung der parlamentarischen Gepflogenheiten weigert er sich konsequent, das Tagespräsidium und seine Abgeordnetenkollegen anzusprechen. Statt etwa zu sagen: „Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kollegen! Liberale lieben Trojanische Pferde.“ sagt Borrmann: „Bürger des Landes! Liberale lieben Trojanische Pferde.“ Dafür kassiert er dann Ordnungsrufe, bis ihm das Wort entzogen wird. In einem Video zieht er am Rednerpult einen Hampelmann hervor, in einem anderen ein Spruchband mit der Aufschrift: „Bürger! Heucheln? Einknicken? Niemals!“

Es fällt schwer, solche Auftritte als politische Arbeit zu werten. Es fällt schwer zu glauben, dass NPD-Wähler so einen Kindergarten goutieren und honorieren. Borrmann versucht, sich als Opfer zu stilisieren, als Angehöriger einer politisch verfolgten Minderheit. Weil das in Deutschland mit seinen fein austarierten Verfassungen und parlamentarischen Geschäftsordnungen auf Bundes- und Landesebene gar nicht so einfach ist, greift Borrmann zu aberwitzigen Mitteln, um sich einen Ordnungsruf nach dem anderen und möglichst häufig den Entzug des Wortes zu verdienen.

Auch die AfD verfolgt die Strategie, sich als Opfer in Szene zu setzen. Im Gegensatz zur NPD gelingt ihr das mit Bravour. Ich würde vor Begeisterung jubeln, wenn ich ein Rechter wäre.

Der viel gescholtene Björn Höcke etwa ist ein glänzender Rhetoriker, ein politisches Naturtalent. Ich habe viele seiner Reden gehört. Er kann sich seinem jeweiligen Publikum meisterhaft anpassen, er beherrscht mehrere Oktaven des politischen Gesangs, ganz oben und ganz unten, und er ist darum besonders gefährlich ...

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