Die Mathematik des Rechts

Die „Mathematik“ des Rechts: Sachverhalt + Tatbestand ÷ Subsumtion = Rechtslage

– von Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski

Letztens lief mir mal wieder Charlotte über den Weg und fragte: „Warum wird eigentlich den Erstis Methodenlehre abverlangt? Das ist doch viel zu früh, da versteht doch keiner was. Wäre es nicht viel vernünftiger, so etwas im 5. oder 6. Fachsemester anzubieten? Oder vielleicht braucht man das ja auch gar nicht? Oder?“ Sie schaute mich bei diesem „oder“ etwas länger an und ich merkte, dass es ihr wirklich ernst war. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Familienrichterin, die mir auch sagte, sie verstünde die Ausbildung an der Universität überhaupt nicht – wie könne man nur die Zeit mit so etwas wie Methodenlehre vergeuden – das ginge an den Bedürfnissen der Praxis völlig vorbei. So etwas brauche man schlicht und ergreifend
gar nicht – vielleicht sei das etwas für Professoren.

Das hat mich schon nachdenklich gemacht – auf der anderen Seite:
Angenommen, ein Jurist hätte in seinem ganzen Leben noch nie etwas von Methodenlehre gehört – konnte er dann seinen Beruf tatsächlich nicht ausüben? Ich glaube nicht. Will sagen: Was ganz genau ist eigentlich Methodenlehre? Wie wirkt sie auf die juristische Entscheidungsfindung ein? Braucht man sie überhaupt? Oder fliegt sie einem sozusagen zu?

Wenn mich nicht alles täuscht, so hat Charlotte wahrscheinlich Recht und zwar aus einem einfachen aber überraschenden Grund:
Wir konnten tatsächlich auf die Methodenlehre als Vorlesung verzichten, weil die Methoden der rechtlichen Entscheidungsfindung in jeder anderen Vorlesung sowieso –implizit – mitvermittelt werden.
Wir reden nur nicht darüber ...

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