Die Phobie gegen amtliche Schreiben

von Andreas Stephan

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz musste die Frage klären, ob eine Phobie gegen amtliche Schreiben einen Wiedereinsetzungsgrund nach einer Fristversäumung darstellt.

Die Klägerin wurde vom Finanzamt aufgefordert, innerhalb von zwei Wochen Nachweise über die Fortdauer oder das Ende der Schulausbildung ihrer Tochter und eine Erklärung zu den Einkünften und Bezügen betreffend ihrer Tochter vorzulegen. Dabei wurde sie explizit darauf hingewiesen, dass wenn innerhalb der genannten Frist keine Antwort erfolge, die Festsetzung des Kindergeldes für die Tochter aufgehoben wird.

Nachdem auf das Schreiben des Finanzamts keine Reaktion erfolgt ist, wurde in einem Bescheid die Kindergeldfestsetzung aufgehoben und eine Rückforderung des bereits gezahlten Kindergeldes ab dem 18. Lebensjahr der Tochter in Höhe von 2.926,00 € geltend gemacht. Gegen diesen Bescheid legte die Klägerin Einspruch ein und sandte ein Abiturzeugnis der Tochter mit. Daraufhin teilte das beklagte Finanzamt der Klägerin mit, dass der Einspruch verspätet erfolgt sei.

Die Klägerin antwortete darauf, dass sie sich die Tatsache, dass sie die geforderten Nachweise nicht früher vorgelegt habe, nur mit einer Phobie gegen amtliche Schreiben erklären könne. Ihr seien schon sehr viele finanzielle Nachteile dadurch entstanden, dass sie amtliche Schreiben einfach nicht geöffnet habe, sondern liegengelassen bzw. entsorgt habe, weil sie panische Angst vor dem Inhalt dieser amtlichen Schreiben gehabt habe und auch weiterhin habe. Es würden in ihr Angstzustände ausgelöst, so dass sie für die erforderliche Erledigung keine Sorge getragen habe. Mittlerweile habe sie jedoch eine private Unterstützungskraft für die Erledigung amtlicher Schreiben ...

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