Datenschutz: Die Kryptodebatte fängt erst an

[IITR – 14.5.16] Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um den Zugriff staatlicher Sicherheitsbehörden sind erst der Anfang. Eine Lösung wird sich erst durch eine genaue Analyse und Evaluierung aufzeigen.

„Ohne starke Sicherheitsmechanismen hat man online keine Privatsphäre“, sagt die frühere kanadische Datenschutzbeauftragte Ann Cavoukian, die den Gedanken des „Privacy by Design“ populär gemacht hat. Genau darum geht es auch in der Debatte, ob staatliche Sicherheitsbehörden Zugang zu verschlüsselter Kommunikation haben sollen. In seiner Auseinandersetzung mit der US-Bundespolizei betonten Apple-Manager immer wieder, es gehe nur darum, die Privatsphäre des Nutzers zu schützen.

IT-Sicherheitsleute wie der ENISA-Direktor Udo Helmbrecht sind davon überzeugt, dass gesetzlich erzwungen Hintertüren in Kryptoprodukte über kurz oder lang kontraproduktiv wirken: Die Hintertür kann nämlich nicht nur von den autorisierten Behörden, sondern von jedem Kriminellen genutzt werden. Und überhaupt würden auch die Sicherheitsbehörden von einem jederzeit möglichen Zugriff kaum profitieren: „Der DDR hat es auch nicht geholfen, dass sie den Briefverkehr ihrer Bürger komplett überwacht hat.“

Gericht versus Dienst

Ganz überzeugend wirkt dieses Argument aber nicht, jedenfalls nicht in Frankreich, Großbritannien und Ungarn. Dort wird derzeit das Verbot von harter Kryptografie diskutiert. Befeuert wird die Debatte von Diensten wie Whatsapp, die inzwischen eine gute Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten.

In Brasilien kam es Anfang Mai deshalb schon zum Eklat: Ein Richter ließ den Dienst drei Tage lang sperren, betroffen waren rund 100 Mio. Nutzer. Damit sollte Whatsapp gezwungen werden, die Chatprotokolle von Verdächtigen an Ermittler auszuhändigen. Nach einem Einspruch wurde der Dienst vorzeitig wieder freigegeben. Ob die richterliche Taktik erfolgreich war, ist unbekannt ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK