Umziehen als bezahlte Arbeitszeit? Immer wieder beliebtes Streitthema

von Thorsten Blaufelder

Ist die Arbeitskleidung von Arbeitnehmern wegen ihrer Tätigkeit regelmäßig stark verschmutzt und zudem noch auffällig, können die Umkleidezeiten und die zugehörigen Wegezeiten im Betrieb als Arbeitszeit gelten. Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber gar nicht zwingend vorschreibt, sich im Betrieb umzuziehen, entschied das Hessische Landesarbeitsgericht (LAG) in einem am Dienstag, 03.05.2016, in Frankfurt am Main bekanntgegebenen Urteil (AZ: 16 Sa 494/15).

Geklagt hatte ein im Müllheizkraftwerk Kassel beschäftigter Mann. Aus Arbeitsschutzgründen musste er Arbeitskleidung tragen. Allerdings hatte der Arbeitgeber nicht vorgeschrieben, dass die Beschäftigten sich im Betrieb ihre Schutzkleidung anziehen müssen. Die Kleidung wurde jedoch vom Betrieb gereinigt, auch Umkleideräumlichkeiten wurden angeboten.

Der Beschäftigte zog sich daher im Betrieb um und benötigte dann noch einige Minuten, um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Er verlangte, dass die Umkleidezeiten und die damit zusammenhängenden innerbetriebliche Wege bis zu seinem Arbeitsplatz als Arbeitszeit anzurechnen seien. Zwar habe der Arbeitgeber die Umkleide im Betrieb nicht verbindlich vorgeschrieben. Seine auffällige Arbeitskleidung werde wegen seiner Tätigkeit aber so dreckig, dass er sich nicht erst zu Hause umziehen könne.

Der Arbeitgeber lehnte es ab, die Umkleidezeiten und die damit verbundenen Zeiten für innerbetriebliche Wege als Arbeitszeit anzurechnen. Hierfür müsse das Umkleiden zwingend vorgeschrieben sein, was hier aber nicht der Fall sei ...

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