Sex, Lügen und Video

von Mirko Laudon

Der Fall, den das Landgericht Berlin aktuell verhandelte, ist so abstrus, dass er eigentlich nur aus einem Film stammen könnte. Der 48-Jährige Abdallah F. musste sich vor Gericht wegen schwerer Vergewaltigung an der 31-jährigen Mara A. verantworten. Am 4. August 2015 soll er sie in seine Wohnung eingeladen und dort dann unter anderem mit einem 30 Zentimeter langen Fleischermesser über die Frau hergefallen sein. § 177 Abs. 4 StGB sieht für Vergewaltigungen, bei denen eine Waffe verwendet wird, eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vor.

Äußerst glaubwürdig

Der Mann machte im Verfahren von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, was nicht selten in der Öffentlichkeit als Schuldeingeständnis fehlgedeutet wird. Die Frau belastete den Mann in der Hauptverhandlung schwer, ihre Aussage sei äußerst glaubhaft gewesen, attestierte die Staatsanwältin. Auch das Gericht ging nach Aktenlage durchaus davon aus, „dass an den Vorwürfen etwas dran ist“ – ansonsten hätte man wohl kaum die Anklage zugelassen.

In der Urteilsverkündung gestern dann der Freispruch. Auch die Staatsanwältin hatte diesen beantragt. Wie kann das sein? Der Angeklagte hatte dem Gericht nach der Vernehmung der angeblich Geschädigten ein Video präsentiert, ein heimlich aufgenommenes Sexvideo der fraglichen Nacht. Es zeigte ganz deutlich und unmissverständlich: Es handelte sich offensichtlich um einvernehmlichen Sex. Ohne Messer. Ohne Drohung. Ohne Gewalt. Der Freispruch unumgänglich.

Sex nur noch mit Video? Ein Beispiel, das hoffentlich keine Schule macht // Foto: Dierk Schaefer (CC BY 2 ...

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