Abmahnung – Ein DIN A 4-Blatt voller Fehlerquellen

Der Weg zur Kündigung kann steinig sein. Im Fall der verhaltensbedingten Kündigung führt er, wenn das Fehlverhalten des Arbeitnehmers das Arbeitsverhältnis nicht in seinen Grundfesten erschüttert, über die Abmahnung.

Und richtig abmahnen ist schwer. Für eine richtige Kündigung genügt bis auf wenige Ausnahmefälle die schriftliche Erklärung, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Für eine richtige Abmahnung müssen Arbeitgeber sich etwas mehr Gedanken machen.

Eine Abmahnung hat mehrere zwingend erforderliche Bestandteile. In der Abmahnung muss

(1) das beanstandete Verhalten präzise und zutreffend beschrieben werden. „Sie kommen ständig zu spät“ reicht nicht, „Sie sind schon zwei Mal zu spät gekommen“ reicht auch nicht! Richtig: „Sie sind am 20.04.2016 nicht zu Ihrem Arbeitsbeginn um 08:00 Uhr, sondern erst um 08:20 Uhr im Betrieb erschienen.“

(2) dieses Verhalten als Vertragspflichtverletzung gerügt und der Arbeitnehmer aufgefordert werden, sich künftig vertragsgetreu zu verhalten.

(3) für den Wiederholungsfall deutlich gemacht werden, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis kündigen wird.

Fehlt nur eine dieser Voraussetzungen oder ist das beanstandete Verhalten nicht genau genug beschrieben, ist die Abmahnung unwirksam. Dann kann der Arbeitnehmer verlangen, dass der Arbeitgeber die Abmahnung aus der Personalakte entfernt – oder er wartet ab und präsentiert diese Überraschung im Kündigungsschutzprozess. Und eine verhaltensbedingte Kündigung ohne vorherige wirksame Abmahnung ist in der Regel ebenfalls unwirksam, so dass sich die Erfolgsaussichten des Arbeitnehmers in diesem Fall drastisch verbessern.

Arbeitgebern ist daher Folgendes zu raten: Formulieren Sie eine Abmahnung sorgfältig. Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie sich bei der Beschreibung des beanstandeten Verhaltens eher eine Minute mehr Zeit als zu wenig ...

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