In guten wie in schlechten Tagen

Loyalitätspflicht im Arbeitsverhältnis

Es gehört ja schon zum guten Ton, über das Management des sich im Bau befindlichen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) entsetzt zu sein. Der geplante Betriebsbeginn ist fast neun Jahre überschritten, die geplanten Baukosten sind um fünf Milliarden Euro überschritten – Steuergeld. Man regt sich also auf oder macht sich lustig, je nach persönlicher Vorliebe.

„Es gab unterschiedliche Vorstellungen in der Pressearbeit.“

Daniel Abbou war seit Januar PR-Chef des BER und wollte sich in einem Interview auch einmal freimütig geben: Es sei „zu viel verbockt“ und „zu viele Milliarden in den Sand gesetzt“ worden, sagte Abbou. Seinen Chef bezeichnete er als „selbstherrlich“ und „weinerlich“. Seine Bilanz: „Kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“.

Das Interview war nicht mit der Geschäftsleitung abgestimmt, Abbou wurde sofort freigestellt, inzwischen hat man sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen in der Pressarbeit „einvernehmlich getrennt“.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen

Darf ein Angestellter also nicht öffentlich sagen, was jeder andere sagen darf, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen? Immerhin ist die Meinungsfreiheit der Wert in unserer Verfassung schlechthin. Sie schützt auch scharfe Kritik und Polemik, wie sie Abbou geäußert hat.

Die Frage ist trotzdem klar zu beantworten: Nein, ein Arbeitnehmer darf sich nicht genauso wie ein Nichtarbeitnehmer über seinen Arbeitgeber äußern. Damit ist nicht gemeint, dass es intern wohl zu Spannungen kommt, wenn Sie öffentlich Ihren Chef kritisieren, sondern ein solches Verhalten kann eine echte arbeitsvertragliche Pflichtverletzung darstellen, deren Bandbreite an Konsequenzen von Abmahnung bis fristlose Kündigung reicht ...

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