CreutzColumne: Schick mir bloß keine E-Mail

E-Mails galten bei Anwälten bisher als Arbeitserleichterung in der Kommunikation mit den Mandanten. Doch die dunkle Seite der schnellen Kommunikation mit den Klienten hat kürzlich das Oberlandesgericht Jena offengelegt: Anwälte, die E-Mails ihrer Mandanten zu spät lesen, müssen mit Abstrichen bei der Vergütung rechnen.

Es geht es um die ganz praktische Frage, wie oft am Tag der Anwalt sein E-Mail-Postfach anschauen muss. Reicht einmal täglich oder muss es drei Mal pro Tag sein? Muss er morgens reinschauen oder abends? All diesen Stressfragen kann sich der Anwalt nur entziehen, wenn er seinen Mandanten erst gar keine Möglichkeit bietet, mit ihm per E-Mail zu kommunizieren. Dasselbe gilt natürlich auch in der Kommunikation mit der Justiz – jedenfalls solange, wie das besondere elektronische Anwaltsfach, kurz: beA, noch schwächelt.

In dem Fall des Oberlandesgerichts Jena hatte ein Mandant einen Anwalt eines Abends mit einer Klageabweisung beauftragt. Dazu hatte er ihm Unterlagen in den Briefkasten gelegt und auf einen Zettel „Neuer Fall“ geschrieben. Außerdem kam es zu einem Telefonat zwischen Anwalt und Mandant. Wenig später überlegte es sich der Mandant anders und teilte dem Anwalt kurz nach Mitternacht um 0.08 Uhr per E-Mail mit, dass er von der Mandatierung wieder Abstand nehme. Der Anwalt nahm von der E-Mail aber erst zu spät Kenntnis, obwohl das Büro schon ab 8 Uhr geöffnet war. Deshalb versendete er um 8.56 Uhr einen Schriftsatz an das Gericht. Nachdem der Anwalt von dem Widerruf des Mandats erfuhr, legte er tags darauf das Mandat nieder, beantragte allerdings bei Gericht eine 1,3 Verfahrensgebühr in Höhe von rund 2.300 Euro. Die Rechtspflegerin erließ eine entsprechende Kostenfestsetzung, die der Mandant mit Rechtsmitteln angriff ...

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