Nazi-Gebrauchtwagenhändler

Ich habe ja schon so einige seltsame Prozessgegner gehabt, die man sich eigentlich gar nicht ausdenken kann. Aber aktuell ist einer dabei, der mich doch sehr an „Schtonk!“ von Helmut Dietl erinnert. So vertickte ein ehrenwerter Oldtimer-Händler an einen bayrischen Milliardär die Karossen bekannter Nazi-Größen. Nachdem der „Gebrau ...

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SCHTONK! 3/12

West-Deutschland Anfang der 1980er Jahre: Der Fälscher „Prof. Dr." Fritz Knobel produziert und verkauft dem Nähmaschinen-Fabrikanten und Alt-Nazi Lentz einen angeblich vom „Führer" gemalten Akt von Eva Braun. Da seine Frau sich weigert, ihm für diese Figur Modell zu stehen, greift er auf die Kellnerin des örtlichen Restaurants zurück, was den Beginn eines komplizierten Dreiecksverhältnisses darstellt. Als er das Gemälde abliefert, erlebt er mit, wie ein alter Freund von Lentz sich dadurch aufspielt, dass er eine Geschichte erfindet, wie er Zeuge der Entstehung des Bildes wurde. Dieser Freund ist Autor des Buches Der Führer und ich, in dem er beschreibt, wie private Unterlagen Hitlers kurz vor Kriegsende verlorengegangen seien. Das Flugzeug, das die Unterlagen aus dem belagerten Berlin ausflog, sei über einem Ort in der heutigen DDR abgeschossen worden. Diese fiktive Anekdote aus dem Privatleben Hitlers inspiriert Knobel, durch ein gefälschtes Tagebuch Hitlers mit frei erfundenem Inhalt noch mehr Geld an Lentz zu verdienen. Der Hamburger Reporter Hermann Willié des Magazins HHpress ist Eigentümer des Wracks der Carin II, der ehemaligen Yacht Hermann Görings. Da er mit der Restaurierung finanziell überfordert ist, nimmt er Kontakt zu der Nichte Görings, Freya Freifrau von Hepp, auf. Die beiden beginnen ein Verhältnis. Willié versucht, seine Chefredakteure für eine Bildreportage über seine Yacht und seine Sammlung an NS-Devotionalien, u. a. Teelöffel mit Hakenkreuz und Silberpunze und Görings riesigen weißen Bademantel, den ihm Freya geschenkt hatte, zu gewinnen. Er scheitert damit jedoch. Freya nimmt ihn in der Folgezeit mit zu einem jährlichen Treffen von Alt-Nazis im Schloss von Lentz, wo Willié von dem Tagebuch erfährt und Kontakt mit „Prof. Dr." Knobel aufnimmt. Willié wittert eine Sensation. Hermann Willié weiht nur einen seit langem befreundeten leitenden Mitarbeiter und den Verlagsleiter ein. An der Redaktion vorbei erwirkt er die geforderten über neun Millionen D-Mark für den Ankauf von 60 Hitler-Tagebüchern, allesamt Fälschungen von Knobel, um sie zu veröffentlichen. Ständige Zweifel an der Echtheit zerstreut Knobel, indem er selbst Vergleichsschriftstücke anfertigt, unter anderem einen „Führerbefehl" an Ferdinand Porsche zum Bau des VW-Käfers. Knobel schreibt alle Tagebücher selbst und füllt sie mit belanglosem Inhalt. Wohl am häufigsten zitiert ist sein Ausspruch im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936: „Hoffentlich bekomme ich für Eva noch Karten!". Während Knobel im Laufe des Filmes hinsichtlich optischer Erscheinung und Sprechweise immer mehr Ähnlichkeit mit Hitler zeigt, versucht der zunehmend größenwahnsinnige Willié, Görings pompösen Lebensstil zu imitieren. Die Chefredaktion des liberalen Nachrichtenmagazins HHpress lässt sich von dem Schwindel täuschen und verkündet auf einer Pressekonferenz, dass die deutsche Geschichte zu großen Teilen neu geschrieben werden müsse. Am Schluss fliegt der Schwindel auf: Ein Gutachten des BKAs stellt fest, dass die verwendeten Materialien aus der Nachkriegszeit stammen und es sich bei dem Werk inhaltlich um ein grotesk oberflächliches Machwerk handelt. Knobel setzt sich mit gefälschten Papieren rechtzeitig ab. Willié macht sich geistig verwirrt auf die Suche nach Hitler, der, nachdem nun bewiesen ist, dass die Tagebücher nach Kriegsende geschrieben wurden, noch am Leben sein müsste. Die Schlussszene deutet an, dass eine Verhaftung Williés kurz bevorstehe.



  • Nazi-Oldtimer wurden zu gutem Geschäft

    ovb-online.de - 72 Leser - München - Zwei Oldtimer-Händler (49 und 50 Jahre alt) aus dem Landkreis Rosenheim wurden gestern wegen Steuerhinterziehung zu Haftstrafen verurteilt: Das Landgericht München II schickte den 50-jährigen, tatsächlichen Geschäftsführer eines Luxus-Autohauses für sieben Jahre ins Gefängnis, weil er dem Staat mehr als sieben Millionen Euro vorenthalt...

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