Abreagieren frustrationsbedingter Aggressionen am Kind

Das bewusste Abreagieren von frustrationsbedingten Aggressionen an einem Opfer, das mit der Entstehung der Unzufriedenheit und Angespanntheit des Täters verantwortlich weder personell noch tatsituativ etwas zu tun hat, lässt auf das Vorliegen niedriger Beweggründe schließen.

BGH; Urteil vom 15.09.2015 – 5 StR 222/15

Relevante Rechtsnormen: §§ 212, 211 StGB,

Prüfungswissen: „Prüfungswissen: Der Tatbestand des Mordes, § 212, 211 StGB“ findet Ihr im Blog von heute morgen!

Fall: Die Mitangekl. M war Ende September 2012 mit der später getöteten, am 27.12.2011 geborenen L bei dem Angekl. in dessen Wohnung eingezogen. Sehr früh wurde der Angekl. gegenüber der Mitangekl. und ihren Kindern herrisch und bestimmend. Insbesondere das Verhältnis zu L war angespannt. Eine väterliche Beziehung bestand nie.
Am 10.12.2013 brachte die Angekl. M die beiden Kinder im Kinderzimmer zu Bett und setzte sich neben den Angekl. E ins Wohnzimmer. Dieser war „innerlich erregt“ und nach dem Genuss von mehreren Flaschen Bier alkoholisch beeinflusst. Plötzlich stand er auf und ging in das Kinderzimmer. M folgte ihm und sah, dass der Angekl. E L kräftig schüttelte. Es gelang ihr nicht, ihn am Arm festzuhalten. E ließ L aus einer Höhe von einem halben Meter zweimal mit den Füßen zuerst auf den Boden fallen. E geriet weiter in Rage. Er würgte das Kind und schlug es gegen den Kleiderschrank und auf den Fußboden. Er verließ den Raum und kam danach wütend zurück. E schlug L zweimal mit dem Kopf gegen den Heizkörper. Spätestens jetzt erkannte er die Möglichkeit eines tödlichen Ausgangs und nahm den Tod des Kindes in Kauf ...

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