Neue Maßstäbe in der ärztlichen Aufklärung?

von Dr. Matthias Müller

Ein am 30. April 2015 verkündetes Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg (5 U 2282/13) stellt bislang weitgehend unbekannte Bezüge zwischen den in Medikamenten-Beipackzetteln beschriebenen Risiken und der ärztlichen Risikoaufklärung her. Wenngleich das Urteil inhaltlich nicht überzeugt, sind dennoch Maßnahmen zur Vermeidung von Haftungsfallen zu ergreifen.

Sachverhalt

In dem zu entscheidenden Sachverhalt hatte sich eine Patientin zur Hüftprothesen-Wechseloperation in eine Klinik begeben. Im Rahmen der Aufklärung wurde sie auf Komplikationen, wie etwa „seltene Nervverletzungen“, hingewiesen. Der sodann durchgeführte Eingriff verlief zunächst ohne Komplikationen. Postoperativ fiel bei der Klägerin aber eine Fußheber- und Kniestreckerschwäche links auf. Tatsächlich hatte sich eine Dislokation des künstlichen Hüftgelenkes eingestellt. Bei der Revision wurde vermerkt, „dass ein Pfannendachfragment im Bereich des nervus ischiadicus frakturiert und disloziert gewesen sei“. Auch eine Schädigung des nervus ischiadicus mit langwieriger ungünstiger Prognose wurde festgestellt.

Die klagende Patientin rügte (u.a.) eine fehlerhafte Risikoaufklärung. Aufgrund der nur oberflächlichen Aufklärung zur Nervschädigung habe sie sich kein Bild von der Schwere der möglicherweise eintretenden Schäden machen können.

Die Entscheidung des OLG

Das Oberlandesgericht Nürnberg gab der klagenden Patientin Recht. Nach Ansicht des Senats liegt ein Aufklärungsfehler vor, wenn sich die bei der präoperativen Aufklärung aufgezeigte Komplikationsdichte nicht an der Häufigkeitsdefinition des Medical Dictionary for Regulatory Activities (medDRA), die in Medikamenten-Beipackzetteln Verwendung findet, orientiert. Die Frage nach der Komplikationsdichte sei gerade bei nicht vital indizierten Eingriffen für den Patienten von großer Bedeutung ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK