Die neuen Leiden des tatbetroffenen Opfers

von Joachim Breu
Knapp drei Monate ist es schon her, als ein Hamburger Taxifahrer erlebt, was wohl jeder Droschken-Kutscher fürchtet: Männer steigen ein, fordern zur sofortigen Abfahrt auf, und beantworten die Frage nach dem Fahrtziel nicht: "Egal, los jetzt, schnell!", könnten sie gesagt oder gebrüllt haben - genau abgefragt habe ich es nicht. Plötzlich quietschen Reifen und es fallen Schüsse. Der Taxler duckt sich, greift den Wagenschlüssel und sieht zu, dass er Land gewinnt. Am Ende hat sein Arbeitsmittel neue Belüftungslöcher und ist von sonstigen Hinterlassenschaften beschmutzt. Soweit die Geschichte aus der Presse-Meldung vom 28.12.2015. Für den Anwalt des Taxlers gab's bisher keine Akteneinsicht - Ermittlungsgefährdung nach § 406e Abs. 2 Satz 2 StPO, meint die Staatsanwaltschaft, natürlich ohne nähere Begründung. Die könnte ja enthalten müssen, was 'geheim' bleiben soll. Dieses Prinzip wird hier in Hamburg langsam zur Seuche und kommt zum 'normalen' Leiden des Tatbetroffenen hinzu.Die offensichtlichsten Tatfolgen: Sieben oder mehr Schüsse, zwei Verletzte, ein kaputtes Taxi; auf der anderen Seite zwölf vorläufige Festnahmen, vier oder fünf sichergestellte Autos. Im Einsatz 46 Polizeifahrzeuge (je zwei Beamte), eine mehrspurige Straße blieb im nächtlichen Party-Verkehr eine Zeit gesperrt.
Die weniger interessanten Folgen: Der Taxifahrer braucht erst einmal Zuspruch. Sein Wagen muss zur Kriminaltechnik. Er selbst soll erst mal vor Ort bleiben, oder ins Krankenhaus, oder auch nicht. Irgendeiner fragt ihn irgendetwas, notiert dann, was er davon verstanden hat. Vielleicht darf der Taxler dann nach Hause, in jedem Fall aber bitte ohne den Wagen. Überall um ihn herum schießen Gerüchte ins Kraut - eine Auseinandersetzung unter Rockern? Privater Racheakt? Hat der Fahrer vielleicht was damit zu tun, oder wieso war er sonst so schnell aus der Schusslinie? Es blitzt aus Handys und Kameras.
Wenn alle nach den Tätern jagen .. ...Zum vollständigen Artikel


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