KJM erhebt Verstoßvorwürfe gegen Bild.de - Verletzen Bilddarstellungen (kindlicher) Todesopfer im Syrienkrieg die Menschenwürde?

Gremiumsmitglieder der für die Medienaufsicht zuständigen Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) gelangten in ihrer Sitzung vom 9.3.2016 zu der Auffassung, der Anbieter Bild.de habe durch seine Bildberichterstattung über Opfer des Syrienkrieges die Menschenwürde verletzt. Der Vorwurf des Verstoßes gegen die Menschenwürde bezieht sich auf Fotografien von schwer verletzten oder toten Babys und Kindern. Zur Begründung führt die KJM aus, dass Gesichter der Kinder "unverfremdet in Nahaufnahme" zu sehen seien, sodass die Opfer identifizierbar seien. Zudem werde "der Effekt durch die Möglichkeit zur großformatigen Darstellung durch Anklicken verstärkt". Einen Verstoß gegen das Verbot der Menschenwürdeverletzung durch Telemedien beziehen die KJM-Gremiumsmitglieder konkret auf zwei Darstellungen, "da die Opfer auf diesen Bildern deutlich zu erkennen" seien. Die KJM leitet hieraus folgende Wertung ab: "Leiden und Sterben der Kinder wird zur Schau gestellt und sie werden dadurch zu Objekten der Schaulust degradiert. Auch wenn es sich um ein tatsächliches Geschehen handelt, besteht nach Meinung des Gremiums kein berechtigtes Interesse an dieser Art der Darstellung, da eine Verpixelung der Bilder die Aussagekraft des Artikels nicht geschmälert hätte".

Rechtlicher Hintergrund der erhobenen Verstoßvorwürfe ist § 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 8 JMStV. Danach sind Angebote unzulässig, wenn sie "gegen die Menschenwürde verstoßen, insbesondere durch die Darstellung von Menschen, die sterben oder schweren körperlichen oder seelischen Leiden ausgesetzt sind oder waren, wobei ein tatsächliches Geschehen wiedergegeben wird, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt".

Bild.de tritt den Verstoßvorwürfen entgegen. Nach Auffassung des Anbieters stelle die Entscheidung der KJM eine Fehlentscheidung dar, welche mit der Pressefreiheit nicht zu vereinbaren sei und ihrerseits die Menschenwürde verletze ...

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