Internet für Gefangene: Resozialisierung durch Digitalisierung

von Carsten R. Hoenig

Das Internet gehört für die meisten Menschen zum „normalen“ Alltag. Das weltweite Netz dient als Informationsquelle, es stellt eine Plattform für die Kommunikation zur Verfügung und dient zudem als Mittel gegen Langeweile, also zur Unterhaltung. In der Welt außerhalb der Haftanstalt gehört der vernetzte Computer zum Standard wie Telefon, Radio oder der Fernseher.

Einem Gefangenen den Internetzugang zu versagen, widerspricht ganz offensichtlich dem Vollzugsziel einer Resozisalisierung. Die Wiedereingliederung in das soziale Gefüge der Gesellschaft außerhalb des Gefängnisses und Befähigung eines Gefangenen zu einem Leben ohne Straftaten kann nicht erreicht werden, wenn ihm der Umgang mit den wesentlichen Grundlagen des kommunikativen Zusammenlebens vorenthalten wird.

Das ist auch seit vielen Jahren bekannt. So schrieben A. Frommeyer und T. Schulze bereits im Februar 2013 einen Artikel in der taz, in dem es hieß:

„IT-Nutzung, Internet und E-Mails sind Kulturtechniken unserer Zeit. Ein Gefangener, der das nicht beherrscht, ist in Freiheit benachteiligt und wird sich bei der Wiedereingliederung schwerer tun“, sagt der Kriminologe Walter Hammerschick.

Das heißt auch: Wer während der Haftzeit soziale Netzwerke nutzt, steht hinterher nicht ohne Freunde da. Wer vor der Entlassung eine Wohnung sucht, sollte die entsprechenden Internetbörsen kennen. Und wer später als Lagerist arbeitet, muss die Lagersoftware bedienen können.

Und was tut die Berliner Justiz dafür? Wenig bis nichts. Aber nun kommt wieder etwas Bewegung in die Sache.

Medienberichten zufolge möchte die rot-schwarze Regierungskoalition in Berlin ein Pilotprojekt mit eingeschränktem Zugang zum Internet starten ...

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