Affluenza – Der wohlstandskranke Jugendliche

von Stephan Weinberger

Es war 2013, als der junge Amerikaner Ethan Couch betrunken vier Menschen totgefahren hatte und trotzdem nicht ins Gefängnis musste. Ein Psychologe diagnostizierte damals, er leide an „Affluenza“ (ein „Kunstbegriff“, zusammengesetzt aus den englischen Worten „Affluence“, Wohlstand, und „Influenza“ wie die Grippe). Couch gelte somit als „wohlstandskrank“. Das milde Urteil – eine Bewährungsstrafe – gegen den zur Tatzeit 16-Jährigen hatte in den USA überwiegend Empörung ausgelöst.

Seine wohlhabenden Eltern hatten die Auswahl unter diversen Spitzenanwälten, die schließlich auch den Gutachter für das damalige Verfahren ins Spiel brachten. „Die Eltern haben ihren Sohn verwöhnt und ihm nie erklärt, dass seine Handlungen auch Konsequenzen haben können“, rechtfertige der in den USA prominente Psychologe G. Dick Miller später in einem Interview mit dem Sender ABC seine von vielen Kollegen nicht ernst genommene Diagnose. „Couch sei in dem Glauben aufgewachsen, er könne tun und lassen, was er wolle. Seine Eltern hätten ihn gelehrt, dass sie Geld hätten und damit auch die Regeln bestimmen würden.“

Die Staatsanwaltschaft forderte 20 Jahre Haft wegen vierfachen Totschlags und zweifacher schwerer Körperverletzung ...

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