Selbstläufer

Jeder halbwegs erfahrene Strafverteidiger wird es meiden wie der Teufel das Weihwasser, einem Mandanten ein bestimmtes (positives) Ergebnis zu versprechen, insbesondere einen Freispruch.
Zu unwägbar sind die menschlichen Komponenten, d.h. sämtliche Prozessbeteiligte außerhalb der Verteidigung.

Gegen diesen Grundsatz habe ich gerade (mal wieder) verstoßen und dem Mandanten einen Freispruch fest zugesagt.
Konnte ich mir nicht verkneifen. Zu lächerlich ist der von der Staatsanwaltschaft beantragte und von der Richterin erlassene Strafbefehl.

Ein Mandant ist beschuldigt, mehrfach Cannabis in kleinen Portionen erworben zu haben.

  • Dabei ist er nicht beobachtet worden.
  • Es hat auch niemand ausgesagt, dass er Cannabis gekauft habe.
  • Den vermeintlichen Dealer hat man auch nicht gefragt, ob er den Mandanten kenne.
  • Man hat lediglich ein Handy eines vermeintlichen Lieferanten sichergestellt, auf dem Chatverläufe mit einer Telefonnummer gesichert sind, dessen Vertrag auf den Namen des Mandanten läuft.
  • Ein passendes Gegenstück zu den Chatverläufen hat man beim Mandanten nicht gefunden; man hat gar nicht erst danach gesucht. Schade, denn dann hätte man herausgefunden, dass er eine ganz andere Telefonnummer in Gebrauch hat.

Der Chatverlauf ist besonders aussagekräftig. Der geht sinngemäß so:

„Ich habe leckeren Hasenbraten“
„Cool, ich komm vorbei“

„Hast mal 10 Min Zeit ?“
„Nee, nur 3 Min“

Als unvoreingenommener Leser (Unschuldsvermutung !) würde ich jetzt annehmen, dass die Gesprächsparteien eine Vorliebe für gut zubereitetes Wild haben und dass deren Zeit knapp bemessen ist ...

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