Private Internetnutzung am Arbeitsplatz – Erlaubt der EGMR (Az. 61496/08) den Arbeitgebern wirklich das Lesen privater Nachrichten von Arbeitnehmern? Und wie ist eigentlich die Rechtslage in Deutschland? – Teil 1

von Nina Diercks

Mitautor: Christian Frerix*

In aller Regelmäßigkeit ist die Internet- und IT-Nutzung zu privaten Zwecken am Arbeitsplatz Gegenstand angeregter Diskussionen. Auch ich beschäftige mich mit dieser Thematik in schönster Regelmäßigkeit. Sowohl ganz praktisch am lebenden Herzen, also in den Unternehmen, als auch theoretisch in meinem Fachartikel oder im Blog. Nun gibt es erneut einen guten Grund, sich etwas vertiefter mit diesem Thema auseinanderzusetzen, nämlich ein jüngst erschienenes Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR, Urteil vom 12.01.2016 – Az. 61496/08).

In der Sache Barbulescu gegen Rumänien wurde um die Rechtmäßigkeit einer Kündigung gestritten. Die Kündigung hatte der Arbeitgeber ausgesprochen, weil der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit am Dienst-PC den Dienst-Account eines Messengerdienstes zu privaten Zwecken genutzt und damit gegen betriebsinterne Vorgaben verstoßen hatte. Die Kündigung wurde durch den EGMR bestätigt. Soweit so altbekannt.

Spannend wird das Ganze aber dadurch, dass der Arbeitgeber von der betriebsfremden PC-Nutzung Kenntnis erlangte, weil er diese überwachte und Chatverlaufsprotokolle erstellte. In Deutschland undenkbar? Nun ja, vielleicht nicht (mehr), wenn man bedenkt, dass der EGMR dieses Vorgehen gebilligt hat. Ermöglicht der EGMR den Arbeitgebern nun also tatsächlich – wie landauf landab den Schlagzeilen zu entnehmen war – das unbegrenzte Lesen und Auswerten privater Kommunikationsinhalte? Wer sich nun denkt ‚Wo kämen wir denn da hin‘, ist mit dieser Ansicht wohl nicht allein. Aber frei nach Marti kämen wir wohl nirgendwo hin, wenn wir nicht den Weg gehen würden, um zu schauen, wo wir denn hinkämen, wenn wir ihn gingen. In diesem Sinne: Fangen wir einmal von vorne an ...

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