Juristen ohne Talent: Können Sie auch nicht zeichnen?

von Nicola Pridik

Juristen haben ja viele Talente. Kommen sie allerdings in die Situation, in einem Seminar, einer Beratung oder Besprechung mal schnell etwas aufzeichnen zu müssen, und sei es nur eine Sachverhaltsskizze, entschuldigen sie sich gerne einleitend mit dem Satz: „Ich kann leider nicht zeichnen.“ Erkennen Sie sich wieder? Und ärgern Sie sich im Stillen, dass Sie zwar in der Lage sind, Ihrem juristischen Gegner mit einem Schriftsatz Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, aber an einem Strichmännchen scheitern? Ich kann Sie beruhigen: Ihr Ärger ist der erste, um nicht zu sagen der wichtigste Schritt zur Besserung. Viel wichtiger als Ihr Zeichentalent ist nämlich, dass Sie überhaupt bereit sind, sich auf Bilder in Ihrer Arbeit einzulassen. Der Rest ist leichter, als Sie denken.

Rechtsvisualisierung geht alle Juristen etwas an

Ja, Sie haben ja Recht: Die Juristerei ist seit jeher eine Wissenschaft der Sprache. Es lässt sich jedoch nicht mehr wegdiskutieren, dass Bilder in unserer digitalen Welt nicht nur eine zentrale Rolle spielen, sondern auch die Kommunikation ganz wesentlich beeinflussen und verändern. Das Recht kann und darf sich dieser Entwicklung nicht verschließen. Schließlich soll es die Menschen erreichen, die in der digitalen Welt leben. Bilder sind Blickfänger, machen neugierig, veranschaulichen Inhalte und tragen so zu ihrem Verständnis bei.

Müssen Sie deshalb als Jurist das Zeichnen lernen? Nein, müssen Sie nicht. Es geht vielmehr darum, sich dem Thema Rechtsvisualisierung zu öffnen und nach Wegen zu suchen, es in die eigene Arbeit hineinzuholen. Wie Sie das machen, ist Ihnen überlassen: Sie können z. B. stärker als bisher in Ihren PowerPoint-Präsentationen auf Bilder setzen, juristische Schaubilder zur Vermittlung von Recht nutzen, Erklärvideos auf Ihre Website stellen, sich einen eigenen YouTube-Kanal zulegen, um Ihre Zielgruppe mit juristischen Themen zu erreichen, oder Ihre zeichnerischen Fähigkeiten verbessern ...

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