Die Kita und der Syrer, und die "nachvollziehbaren Sorgen einiger Eltern"

von Philip Stühler Walter

Derzeit kursiert der Aushang in einer evangelischen Kindertagesstätte in Bleckede (das ist in der Nähe von Lüneburg) durch die sozialen Netzwerke und mittlerweile auch die Presse, das Fernsehen und Magazine, der den folgenden Wortlaut trägt:

Aufgrund der nachvollziehbaren Sorge einiger Eltern, einen männlichen Syrer bei uns zu beschäftigen, wird ( ... ) nicht bei uns arbeiten.

Abgesehen davon, dass ich mir gar nicht näher ausmalen will, was für "einige Eltern" das sind, die hier auch noch eine "nachvollziehbare (sic!) Sorge" haben, wenn ein männlicher Syrer in die Nähe ihrer Kinder kommen könnte (einfach nur blöde Rassisten oder nicht minder unerträgliche Helikoptereltern oder gar beides in Personalunion? Da hat der Elternmob ja mal wieder erfolgreich zugeschlagen), ist dieser Aushang in arbeitsrechtlicher Hinsicht eine wahre Steilvorlage für den Betroffenen. § 7 Abs.1 i.V.m. § 1 AGG verbietet es nämlich bei der unter anderem bei der Anbahnung eines Arbeitsverhältnisses, einen Bewerber aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu benachteiligen.

Hier wird sogar ganz offen kommuniziert, dass der Herr nicht nur wegen seiner syrischen Herkunft, sondern auch wegen des männlichen Geschlechts nicht dort arbeiten wird. Wir kommen hier als Begründung also ganz locker nicht nur auf die ethnische Herkunft (Syrer), sondern auch noch auf das Geschlecht (Mann).

Das führt jetzt zwar nicht dazu, dass unser abgeschasster Syrer einen Anspruch aus Einstellung hätte. Ganz nebenbei führt es wohl auch nicht gerade zu einer gesteigerten Integrationbereitschaft des Herrn. Möglicherweise kriegt er aber nun die Gelegenheit, am eigenen Leib die Vorzüge eines funktionierenden Rechtsstaates zu erfahren, was sich dann wiederum durchaus wieder integrationsfördernd auswirken könnte ...

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