Warum es sinnvoll ist, Gerichtsentscheidungen auch visuell aufzubereiten

von Nicola Pridik

Gerichtsentscheidungen sind seit jeher optisch wenig ansprechende Textwüsten und selbst für Juristen eine ungeliebte, weil zeitfressende Lektüre. Kein Wunder also, dass viele Kollegen Fachpublikationen beziehen, in denen Autoren und Redakteure wesentliche Entscheidungen redaktionell aufbereiten und mit Tipps für die Praxis versehen. Erstaunlicherweise kommen in diesem Zusammenhang bislang kaum Schaubilder zum Einsatz. Diese könnten die Aufnahme von Informationen nochmals beschleunigen und den Lesern viel besser als Text Strukturen und Zusammenhänge vermitteln.

Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die jeweilige Gerichtsentscheidung überhaupt visualisierbare Strukturen enthält. Auf Sachverhaltsebene kann dies z. B. eine Personenkonstellation sein oder eine Abfolge von Ereignissen. Hier ein Beispiel für einen Sachverhalt aus dem Erbrecht:

Noch wichtiger sind aber solche Strukturen, die das Gericht in seinen Entscheidungsgründen beschreibt oder selbst entwickelt, um sie anschließend auf den konkreten Fall anzuwenden. Sie bilden den rechtlichen Kern der Entscheidung und sind häufig von grundsätzlicher Bedeutung. Umso wichtiger ist es für Praktiker, sie zu verstehen und dauerhaft im Gedächtnis zu verankern. Nachfolgend dazu ein Beispiel aus dem Sozialrecht.

Wenn das Gericht Strukturen beschreibt oder entwickelt

Das Sozialgericht Berlin hat am 7. März 2012 ein Urteil zur Abrechnung von Hausbesuchen durch Ärzte gefällt (Az. S 71 KA 552/10). Im Kern ging es um die Frage, welche Gebührenordnungsposition abzurechnen ist, wenn ein Arzt einen weiteren Patienten im selben Altenheim besucht. Handelt es sich um einen separaten Besuch, der nach Nr. 01410 zu vergüten ist, oder um einen sog. Mitbesuch nach Nr. 01413, für den es weniger Geld gibt? Die Gebührenordnungspositionen liefern zwar selbst Hinweise, wann die eine und wann die andere Position greift, in der Praxis helfen diese aber nur begrenzt weiter ...

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