Woher weiß die linke Hand, ob die Rechte das Richtige tut?

Wer sich schon einmal in medizinische Hände begeben hat, weiß, dass meist ein ganzes Team an Ärzten und Pflegern involviert ist. Kommt es dennoch unglücklicherweise zu Behandlungsfehlern so steht man in der strafrechtlichen Praxis nicht selten vor Zurechnungsproblemen – denn welchem Arzt der Fehler in einer großen Operation letztendlich zuzurechnen ist, wird hier oftmals schwer festzustellen sein.

Muss nun jeder Arzt all seinen Kollegen grundsätzlich misstrauen aus Angst, dass der Fehler des Kollegen auch ihn in die strafrechtliche Verantwortung zieht?

Vertrauensgrundsatz und dessen Grenzen

Um eine reibungslose und produktive Arbeitsteilung im Krankenhausalltag zu ermöglichen, gilt im Medizinstrafrecht der Vertrauensgrundsatz: Jeder Handelnde darf sich im Rahmen einer ärztlichen Arbeitsteilung grundsätzlich auf das ordnungsgemäße Verhalten des Kollegen verlassen. Das Maß der Sorgfalt eines jeden Beteiligten richtet sich stets nur nach seinem Verantwortungsbereich.1 Dieses berechtigte Vertrauen besteht so lange, wie es nicht durch ernsthafte Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit der Vorarbeit des Kollegen erschüttert wird. Sobald ersichtlich ist, dass der Kollege mitunter Fehler begeht, findet der Vertrauensgrundsatz keine Anwendung und eine strafrechtliche Verantwortlichkeit ist nicht mehr ausgeschlossen.

Horizontale und vertikale Arbeitsteilung

In der horizontalen Arbeitsteilung unter den beteiligten, gleichberechtigten Ärzten darf folglich typischerweise auf eine korrekte Arbeitsweise des Kollegen vertraut werden und eine Haftung für ein – nicht offensichtliches – Fehlverhalten des Kollegen wird dadurch nicht begründet.2

Darüber hinaus bedarf es gerade in Krankenhäusern aber nicht nur einer horizontalen, sondern auch einer vertikalen Arbeitsteilung. Grundsätzlich gilt die Allzuständigkeit des Chefarztes.3 Um sich aus dieser Allzuständigkeit zu lösen, ist es dem Chefarzt möglich, einzelne seiner Aufgaben zu delegieren ...

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