Schick mir bloß kein Mandantengeld!

von Bernhard Schmeilzl

Andere Länder, verblüffend andere Berufsordnungen für Anwälte: Englischen Prozessanwälten, den Barristers, untersagt es ihre Berufsordnung des Bar Standards Board strengstens, mit Mandantengeldern in Berührung zu kommen. Ein Barrister darf also, im Unterschied zum Solicitor, kein Fremdgeld verwahren.

Diese Regelung treibt bizarre Blüten und verkompliziert den juristischen Alltag: Will man vor einem britischen Gericht Klage erheben, muss man natürlich auch dort eine Gerichtsgebühr (Court Fee) zahlen. Als deutscher Anwalt oder Mandant geht man selbstverständlich davon aus, dass man die Gerichtsgebühr einfach seinem Barrister (zusammen mit dem Honorar) überweist und dieser die Gerichtsgebühr dann einzahlt. Weit gefehlt. Das ist dem Barrister streng verboten. Man muss also (weil die Courts natürlich nur Schecks in englischen Pfund akzeptieren) entweder bei seiner Bank die Ausstellung eines (übrigens sündteuren) Auslandsschecks beantragen und die mitleidigen Blicke des Bankangestellten aushalten, der einem erklärt, dass so etwas die letzten zehn Jahre keiner mehr verlangt hat oder aber spezielle englische Dienstleister beauftragen, die sich auf solche profanen juristischen Services spezialisiert haben (Beispiel hier).

Sogar die Honorarzahlung selbst ist kompliziert. Denn verlangt ein Barrister einen Vorschuss und vereinbart, dass er einen etwa nicht verbrauchten Vorschuss nach Abschluss der Tätigkeit an den Mandanten zurückerstattet, dann ist das verbotenes “handling of client money”. Das deutsche Problem, ob ein Rechtsanwalt vereinnahmtes Fremdgeld mit seinen Forderungen auf Anwaltshonorar aufrechnen darf (Details dazu hier), kann sich einem Barrister somit gar nicht stellen ...

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