Großeltern müssen bei der Auswahl eines Vormundes (vorrangig) in Betracht gezogen werden

von Michael Langhans

Mehrfach bereits musste sich das Bundesverfassungsgericht mit der Frage auseinandersetzen, ob wenn Eltern für die Kinder nicht sorgen können oder wollen, nahe Verwandte wie Großeltern vorrangig zu berücksichtigen sind. Dabei kommt es immer darauf an, ob familiäre Bindungen zu nahen Verwandten bestehen, weil dies unter den Schutz der Familie des Art. 6 GG umfasst.

Hierzu führt das Bundesverfassungsgericht in 1 BvR 2926/13 und 1 BvR 2604/06 aus:

Nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte umfasst das Familienleben im Sinne des Art. 8 EMRK zumindest – auch – nahe Verwandte – zum Beispiel Großeltern und Enkel -, da sie innerhalb der Familie eine beachtliche Rolle spielen können. Die Achtung des so verstandenen Familienlebens begründet für den Staat die Verpflichtung, in einer Weise zu handeln, die die normale Entwicklung dieser Beziehung ermöglicht (vgl. EGMR, Urteil vom 13. Juni 1979, NJW 1979, S. 2449 <2452>). Hieraus folgt, dass die Gerichte bei der Auswahl eines Vormunds bestehende Familienbande zwischen Großeltern und Enkeln zu beachten haben.

1 BvR 2604/06, Rn. 22

Die vorzugsweise Berücksichtigung von Familienangehörigen und Verwandten des Kindes ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts verfassungsrechtlich geboten, sofern keine Interessenkollision besteht oder der Zweck der Fürsorgemaßnahme aus anderen Gründen die Bestellung eines Dritten verlangt (vgl. BVerfGE 33, 236 <238 f.>) ...

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