Konversion zum Christentum – und der subsidiäre unionsrechtliche Abschiebungsschutz

Mit der Frage der unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 AsylVfG in der Islamischen Republik Afghanistan infolge einer Konversion vom Islam zum Christentum hatte sich aktuell das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg zu befassen.

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht war dabei im entschiedenen Fall nicht davon überzeugt, dass dem Asylbewerber bei einer Rückkehr in sein Heimatdorf mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 AsylVfG wegen der von ihm geltend gemachten Konversion vom Islam zum Christentum droht.

Zwar hält es das Oberverwaltungsgericht nach der aktuellen Erkenntnismittellage durchaus für möglich, dass afghanische Staatsangehörige, die vom Islam zum Christentum konvertiert sind, in Afghanistan unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlungen im Sinne der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ausgesetzt sein können, wenn sie dort ihren christlichen Glauben offen praktizieren oder aus Angst vor Übergriffen verleugnen oder verheimlichen und dadurch in erhebliche Gewissenskonflikte geraten. Denn eine Konversion wird in Afghanistan nach der Scharia als Verbrechen betrachtet, auf das die Todesstrafe steht, wenngleich die Todesstrafe wegen Konversion nach Kenntnis des Auswärtigen Amtes bislang nie vollstreckt worden ist1. Zum Christentum konvertierte frühere Moslems sind in Afghanistan zudem durch die Taliban gefährdet, die jeden mit dem Tode bedrohen, der sich zum Christentum bekehrt2. Auch die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung ist afghanischen Konvertiten gegenüber offen feindselig gestimmt3 ...

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