OLG München: Spiritueller Meister muss über 100.000 Euro zurückzahlen

von Stephan Weinberger

Ein Ehepaar zahlte zehn Prozent seines Einkommens an einen spirituellen “Lehrer”, damit dieser es den Unsterblichen zukommen lasse, die wiederum damit Gutes für Menschheit täten. Das Ehepaar glaubte das zuerst, wurde aber dann eines Besseren belehrt. Der 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) München bestätigte nun ein vorausgehendes Urteil des Landgerichts München I, welches den Esoteriker zur Rückzahlung von insgesamt 109.500,88 Euro an seine “Schüler” verurteilt hatte.

Das klagende Ehepaar bezeugte vor Gericht, dass sie jahrelang mit dem jetzigen Beklagten freundschaftlich verbunden waren. Sie wollten von ihm den “adeptischen Weg” lernen. Zu diesem Zwecke wurden sie zugleich dessen esoterisch-spirituelle Meisterschüler. Auf Aufforderung des “Lehrers” mussten sie zum Fortschritt eben dieses Weges mit dem Zehnten ihres Einkommens Gutes in der Welt tun. Der Meister sagte aber auch, dass er dass lieber zuerst selbst übernehme, da die beiden “Schüler” jetzt noch nicht so weit wären. Außerdem könne er als “Adept” Kontakt zu den “Unsterblichen” herstellen und nur von dort erhalte er Auskunft, wo die Beträge sinnvoll verwendet werden könnten.

Über Jahre hinweg zahlten die Eheleute ihren Anteil, mithin über 100.000 Euro. Ihr “Meister”, zweckmäßig Inhaber einer Firma, hatte für Leistungen wie Marketing, Coaching, Beratung oder Suchmaschinenoptimierung in Höhe der Summen ordentliche Rechnungen gestellt. Allerdings verwendete der “Meister” die ihm zum guten Zwecke zugedachten Spenden für eben zweckgebunden, sondern – wie von ihm von vornherein beabsichtigt – für eigene Zwecke. Die ganze Sache flog 2013 auf, als die Kläger mit der Ehefrau des “Meisters” telefonierten, die selbst über die Geschichte schockiert war. Denn auch sie war dem Glauben an die “Unsterblichen” verfallen und befinde sich deswegen seit zwei Jahren in Therapie ...

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