Zur Aussage von Zschäpe im NSU-Verfahren – Beim Putzen die Waffe weggeräumt

Dieser Beitrag ist mit freundlicher Genehmigung von wutimbau.ch übernommen worden. Der Autor Hannes Kling ist unter @hakling auf Twitter zu finden.

Fast genau vier Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU stand eine als Sensation erwartete Aussage der Hauptangeklagten im Prozess um die extrem rechte Mordgruppe im Raum: Beate Zschäpe, die bisher jede Äußerung im Prozess vermied, ließ über ihre neuen Verteidiger Borchert und Grasel, die auf fragwürdige Weise ihr Mandat und Vertrauen erlangten, verlauten, sich zu den Vorwürfen der Anklage äußern zu wollen.

Ein grober Bruch der bisherigen Prozessstrategie, die ihre bisherigen Verteidiger entworfen hatten, und aus denen viel strafprozessuale Erfahrung sprach. Bisher wussten es Heer, Stahl und Sturm zu vermeiden, einerseits die ihnen überantwortete Angeklagte als ideologische Überzeugungstäterin dastehen zu lassen (und lagen als Verteidiger auch nicht im Verdachte, eine solche Ideologie zu repräsentieren) und andererseits eine unglaubwürdige Version der Innenansichten des NSU-Trios zu präsentieren. Die Verteidigungsstrategie profitierte von dem Chaos, dass Ermittlungsbehörden und Verfassungsschutz zum Thema NSU anrichteten – nichts scheint sicher, viele Fragen bleiben offen und damit auch die Frage nach direkter oder indirekter staatlicher Einflussnahme auf Zschäpe oder die Helfer der Kerngruppe. Diese Strategie scheiterte heute im Gerichtssaal. Die erfahrenen Strafverteidiger mussten sich der irrwitzigen Strategie des unrühmlichen (Nicht-Dr.) Borchert und dem eilig ausgebildeten Neu-Fachanwalt für Strafrecht Grasel beugen.

Das Chaos und die entsetzliche Mystik, die die Aufklärung um das NSU-Netzwerk umgibt, weckten große Erwartungen in der Öffentlichkeit an die Aussage von Beate Zschäpe ...

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