Weihnachtsmarkt-Angst essen Seele auf

von Holger Schmidt

Weihnachtsmarkt (Archiv)

„Trotz allem – gute Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt“ heißt ein Beitrag, über den ich heute gestolpert bin. Ein tiefes Seufzen ist mir entfahren. Über das Grundthema und die neue Variation des „trotz allem“.

Schon seit Tagen grassiert dieses Thema: In zahlreichen Gesprächen über die aktuelle Terrorgefahr in Deutschland bin ich danach gefragt worden. Wie gefährlich ist ein Weihnachtsmarkt? Kann man da „trotz allem“ hingehen? Trotz allem was? Und vor allem: Warum alle Jahre wieder die Angst vor dem Weihnachtsmarkt? frage ich zurück.

Zugegeben: Wenn man sich als Drehbuchautor ein terroristisches Szenario für den nächsten Terror-Blockbuster ausdenken möchte, kann man auf einen Weihnachtsmarkt kommen: Viele (ungläubige) Menschen im Gedrängel, kommerzialisierte Ankläge an die christliche Weihnachtsgeschichte, frevelhafter Alkohol im Glühwein, infernalische Weihnachtsmusik. Also ist der Markt das ideale Ziel für den nächsten Anschlag?

Tatsächlich gab es schon einmal eine Planung von algerischen Terroristen aus Frankfurt am Main für einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg. Ein Druckkochtopf hätte zur Splitterbombe werden sollen. Das war im Jahr 2000. Die Gruppe flog schon in der Vorbereitungsphase auf.

2010 herrschte in Deutschland dann erneut, diesmal aufgrund von verschiedenen Geheimdienst-Hinweisen die Sorge vor einem solchen Anschlag. Passiert ist nichts. Soweit bekannt, nicht einmal konkretere Vorplanungen. Doch das Narrativ des Weihnachtsmarkt-Anschlags ward geboren, hielt sich in den folgenden Jahre wacker und verblasste nur langsam ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK