Die vergessenen Opfer?

von Thomas Will

Als ich die Tage beim Frühstück diesen Bericht in der Saarbrücker Zeitung las, hat es ein wenig gedauert, bis mir klar wurde, dass es darin um ein Verfahren handelt, in dem ich verteidigt hatte. Die Sache ist nämlich seit geraumer Zeit bei mir abgelegt. Die Vorwürfe an die Justiz sind mir ein wenig unverständlich. Der einzige, der sich hier Vorwürfe machen müsste, ist die Kollegin. Stattdessen hat sie Staatsanwaltschaft und Gericht mit Dienstaufsichtsbeschwerden beglückt, die jedoch ohne Erfolg blieben.

„Weil sie monatelang keinen neuen Sachstand zu den Ermittlungen bekam, beantragte die Anwältin Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft, die ihr daraufhin eine Kopie des Strafbefehls samt Vermerk über dessen Rechtskraft schickte. Hatte die Justiz die Rechte der Missbrauchsopfer schlicht vergessen?“

Nein, hat die Justiz nicht. Dafür hat die Kollegin aber offensichtlich vergessen, dass sie über §§ 406e, 475 StPO zwar einen Auskunfts-, aber keinen Unterrichtungsanspruch hat. Hätte die Kollegin vielleicht einmal die ein oder andere Sachstandsanfrage gestellt, wäre sie unterrichtet worden. Aber dafür muss man halt nachfragen. Die Justiz muss nicht von sich aus die Opferanwältin informieren.

Dass die Kollegin mit 25 Jahren Berufserfahrung einen Strafbefehl „noch nicht einmal gedanklich in Erwägung gezogen“ hat, lasse ich mal so unkommentiert stehen. Mit 10 Jahren Berufserfahrung habe ich da andere Erfahrungen. Es mag zwar nicht die Regel sein, kommt aber doch vor ...

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