Wenn der Postmann keinmal klingelt...

Niemand ist verpflichtet, sonntags in seinen Briefkasten zu schauen - dies ist die Quintessenz aus einer unlängst veröffentlichten Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein (Urteil v. 13.10.2015, Az. 2 Sa 149/15), das damit die Kündigung ausgerechnet einer Rechtsanwaltskanzlei als nicht fristgerecht erachtete.

Sachverhalt Die Rechtsanwälte hatten einer Mitarbeiterin am letzten Tag ihrer Probezeit, einem Sonntag, das Kündigungsschreiben persönlich in den Hausbriefkasten geworfen, um noch von der kurzen, zweiwöchigen gesetzlichen Kündigungsfrist (§ 622 Abs. 3 BGB) während der Probezeit zu profitieren. Die Mitarbeiterin leerte ihren Briefkasten jedoch erst in den folgenden Tagen und wehrte sich gerichtlich gegen den im Kündigungsschreiben genannten Beendigungszeitpunkt. Sie machte geltend, dass ihr das Schreiben erst nach Ablauf der Probezeit zugegangen und daher eine längere Kündigungsfrist einzuhalten gewesen sei.

Zugang der Kündigung frühestens am Montag

Diese Auffassung teilten auch die norddeutschen Richter: Die Kündigung ist erst am folgenden Werktag zur üblichen Postleerungszeit zugegangen. Arbeitnehmer sind nicht verpflichtet, auch am Sonntag in ihren Briefkasten zu schauen. Dies gilt auch dann, wenn an diesem Tag die Probezeit endet und bekannt ist, dass der Arbeitgeber sonntags arbeitet. Die Kündigung der Rechtsanwälte konnte das Arbeitsverhältnis somit erst nach Ablauf der längeren, regulären gesetzlichen Kündigungsfrist beenden ...

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