Für die Strafzumessung instrumentalisiert

von Mirko Laudon

Es ist ein schrecklicher Tatvorwurf, der dieser Tage vor dem Landgericht Hamburg verhandelt wird und den „Spiegel online“ sehr verkürzt mit der Überschrift „Bier, Schlag gegen den Kopf, nächstes Bier“ beschreibt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Vater vor, seinen drei Monate alten Sohn Jamie-Dean gepackt, geschlagen und geschüttelt zu haben – so heftig, dass dieser nur knapp überlebte: Teile seines Großhirns wurden zerstört, er bleibt blind und taub, kann nicht mehr allein schlucken, hat eine kurze Lebenserwartung und lebt in einem Pflegeheim.

Eine „Feier“ mit zwei Gästen und viel Alkohol

An dem Abend, der für das Baby so tragisch enden wird, veranstalteten seine beiden Eltern in ihrer Wohnung in Hamburg-Finkenwerder eine Feier. Eine Feier mit viel Alkohol und nur zwei Gästen: Dem Vater und der Mutter selbst. Sie tranken Bier aus 0,5-Liter-Dosen, den Lakritzlikör „Dirty Harry“ und einen Mix aus Cola und „Jack Daniels“. Von einer „Feier“ sprach zumindest der Vater bei seiner Vernehmung vor dem Haftrichter.

Was dann genau passierte, ist unklar. Es müsse jedoch mindestens einen heftigen Schlag gegen den Kopf des Kindes gegeben haben. In dem Geständnis, das sein Verteidiger zum Prozessauftakt vorlas, hätte der Vater während des Trinkgelages plötzlich das Bedürfnis verspürt, Jamie-Dean auf den Arm zu nehmen und sei ins Kinderzimmer gegangen. Es wäre möglich, dass dieser dabei angefangen habe zu „quengeln“ – genau könne er das wegen der Alkoholisierung allerdings nicht mehr sagen. Dabei müsse es dann aber zum Schlag auf den Kopf gekommen sein. Am Morgen nach der „Feier“ soll Jamie-Dean dann geweint haben, sein Vater habe ihn aus dem Bettchen gehoben, woraufhin der Junge zusammengesackt sei ...

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