Delikte, gegen die es keine Verteidigung gibt und das Pech der intellektuell Herausgeforderten

von Joachim Breu
Neben Vermögensdelikten sind es vor allem die #Aussagedelikte, §§ 153 ff. StGB, gegen die man nach der Anklage kaum mehr verteidigen kann. Keine denkbare Einlassung wird eine Verurteilung noch zuverlässig hindern. Irrtümer, so heißt es bei manchem naßforschen Staatsanwalt, frage man einfach weg. Also forscht man als Verteidiger nach Fehlern im Ermittlungsverfahren, um sie in einer Hauptverhandlung nutzbar zu machen. Weil das Nötige und Richtige die Verfahrenskosten aber gerne fünfstellig werden lässt, greifen viele lieber nach der Einstellung. Ich kenne da eine junge Frau, knapp über 25 Jahre alt. Ein schulpflichtiges Kind hat sie, allein erziehend ist sie, den Hauptschulabschluss bekam sie eher verliehen als dass sie ihn geschafft hätte. Berufsausbildung - keine. In der Vorbesprechung bei mir scheiterte sie daran, den Satz ihrer Anklage vorzulesen; nach zwei Zeilen, aus der sie einen Teil der Worte erkannt und ausgesprochen hat, brach sie ab: "Das Lesen", sagt sie, "ist nicht so meins".

In ihrer Anklage war mitgeteilt, dass der Täter zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war. Sie wollte von mir wissen, wie lange zwei Drittel davon sind, und ich forderte sie - misstrauisch geworden - auf zu berechnen, wieviele Monate denn fünf Jahre sind. Die Frage verstand sie nicht. "Nun, ein Jahr hat wieviele Monate?", fragte ich nach. "Zehn?", antwortete sie fragend. "Nein, mehr ... ", korrigierte sie sofort, offenbar waren mir merklich die Gesichtszüge entglitten. Dann: "Zwölf, oder?" Ich bestätigte. Und fragte nach dem Fünffachen davon. Vergebens. Sie holte ihr Mobiltelefon hervor, um das zu berechnen. Bevor es aufleuchtete, verriet ich ihr das Ergebnis. Auch das Rechnen war also nicht so ihrs.

Abstraktes Denken und Sprechen habe ich dann nicht mehr abgefragt ...Zum vollständigen Artikel

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