Wer schon hat, dem wird gegeben

von Bernhard Schmeilzl

In England ist Anwachsung das Grundprinzip bei Immobilien-Miteigentum

Wer aus dem deutschen Rechtskreis kommt, geht ganz selbstverständlich davon aus, dass ein Miteigentumsanteil an einem Haus oder einer Eigentumswohnung vererbt wird. Stirbt also ein Miteigentümer (etwa der Ehemann, wenn die Eheleute als Miteigentümer ihres Hausgrundstücks im Grundbuch eingetragen sind), so muss man in Deutschland prüfen, wer Erbe/n geworden ist/sind. Diese Erben rücken dann in die Eigentumsposition des Verstorbenen ein. Das kann im obigen Beispiel die Ehefrau als Miteigentümerin sein, muss aber nicht, je nach Testament oder gesetzlicher Erbfolge.

Ganz anders in den vom Common Law geprägten Rechtsordnungen. Dort ist der Regelfall die sog. “Joint Tenancy“, mit der Folge, dass beim Tod eines Miteigentümers (Joint Proprietor) dessen Anteil dem/den anderen Miteigentümer/n automatisch “anwächst”. Über diesen Miteigentumsanteil kann man also gar nicht im Testament verfügen, dessen Schicksal steht bereits fest. Im Ehegattenbeispiel: Der überlebende Miteigentümer wird also in der Sekunde des Todes Alleineigentümer, völlig unabhängig davon, ob der Verstorbene ein Testament errichtet hatte und was dort angeordnet ist. Der Überlebende muss also nicht erst das langwierige und aufwendige Erbscheinsverfahren (Probate) durchlaufen, sondern kann das Grundbuch (Land Registry) sofort umschreiben lassen, in England mit einem simplen DJP-Formular (DJP = Deceased Joint Proprietor, also: Verstorbener Miteigentümer) ...

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