Nach Wildunfall gibt Versicherung vom Gutachter gesicherte Wildhaare nicht heraus: Beweisvereitelung!

von Alexander Gratz

Amanda77, Wikimedia Commons

Nach Vortrag des Klägers stieß er mit einem Tier zusammen, dass plötzlich die Straße überqueren wollte. Dadurch erschrocken lenkte er sein Fahrzeug nach rechts und prallte gegen Felsblöcke. Ein von dem beklagten Teilkaskoversicherer beauftragter Sachverständiger fand in der Nähe der Unfallstelle einen toten Fuchs, welchem er eine Haarprobe entnahm. Haarspuren befanden sich auch am Kennzeichen des Fahrzeugs des Klägers, diese wurden zusammen mit der anderen Haarprobe an die Beklagte übersandt. Das Kennzeichen wurde dann offenbar auf Veranlassung der Beklagten gereinigt. Die Haare hat sie nicht mehr herausgegeben. Darin sieht das OLG München eine Beweisvereitelung, die zu einer Beweislastumkehr führt (Urteil vom 24.07.2015, Az. 10 U 3566/14).

a) Entgegen der Rechtsauffassung der Beklagten durfte das Landgericht davon ausgehen, dass es zu einer Kollision des klägerischen Fahrzeugs mit einem Tier (Fuchs), also einem Wildunfall als Teilkaskoschaden gekommen ist.

aa) § 286 I 1 ZPO erfordert eine umfassende Würdigung aller Beweismittel und sonstigen Erkenntnisquellen in ihrer wechselseitigen Beziehung (sog. Gesamtschau), eine isolierte Würdigung der einzelnen Beweismomente genügt nicht (grdl. RGZ 14, 322 [326 f.]; ferner RG Gruchot 29 [1885] 1085; bei Bolze 1 [1886] Nr. 1914; JW 1897, 343; RGZ 86, 143; st. Rspr., zuletzt etwa SeuffArch. 91 [1937] Nr. 26; OLG Koblenz, Urt. v. 11.12.2006 - 12 U 1184/04 (juris, dort Rz. 12); OLG Bamberg r+s 2013, 573; umfassend Döhring, Die Erforschung des Sachverhalts im Prozeß, 1964, S. 429 ff.; ferner Schneider, Beweis und Beweiswürdigung, 5. Aufl. 1994, Rz. 27; Schellhammer, Zivilprozess, 14. Aufl. 2012, Rz. 562; BL/Hartmann, ZPO, 72. Aufl. 2014, § 286 Rz. 12) ...

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