Pflichtteil: Muss ich mir anrechnen lassen, was ich vom Erblasser erhalten habe?

von Tobias Goldkamp

Schenkungen und sonstige Zuwendungen des Erblassers zu dessen Lebzeiten sind nur in bestimmten Fällen auf den Pflichtteil anzurechnen.

Anrechnung auf den Pflichtteilsanspruch

Eine Anrechnung in Form eines direkten Abzugs findet nur statt, wenn der Erblasser Ihnen bei der Zuwendung erklärt hat, dass die Zuwendung auf den Pflichtteil anzurechnen ist.

Eine solche Erklärung wird nur im Ausnahmefall vorliegen, z.B. wenn Sie die Schenkung in einem notariellen Vertrag vereinbart haben und darin die Anrechnungsbestimmung enthalten ist, oder wenn der Erblasser Ihnen Geld überwiesen und in den Verwendungszweck „unter Anrechnung auf den Pflichtteil“ geschrieben hat.

Nicht ausreichend ist, wenn der Erblasser später – erst nach der Zuwendung – bestimmt, sie solle auf den Pflichtteil angerechnet werden. Solche verspäteten Anrechnungsklauseln, z.B. in Testamenten, sind unwirksam und damit unbeachtlich.

Bei der Berechnung ist zu beachten, dass das Geschenk dem Nachlass hinzugerechnet wird.

Beispiel:

Die verwitwete Erblasserin hat zwei Kinder, David und Sarah. Sie setzte ihren Sohn David durch Testament zum Alleinerben ein. Ihrer in finanzielle Not geratenen Tochter Sarah schenkte sie 10.000 Euro und erklärte ihr bei der Übergabe des Geldes, die Schenkung solle auf den Pflichtteil angerechnet werden. David erhielt keine Zuwendung. Die Erblasserin hinterlässt ein Vermögen von 100.000 Euro. Sarah macht bei David ihren Pflichtteil geltend. Das erhaltene Geschenk wird bei der Berechnung dem Nachlass hinzugerechnet. Von dieser Summe 110.000 Euro beträgt der gesetzliche Erbteil 1/2 von Sarah 55.000 Euro, der Pflichtteil – Hälfte des gesetzlichen Erbteils – 27.500 Euro. Davon ist das Geschenk abzuziehen, so dass 17.500 Euro als Pflichtteil zu zahlen sind ...Zum vollständigen Artikel


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