Der krankgeschriebene Polizist auf einer Tanzparty

von Stephan Weinberger

Ein Polizeibeamter, der trotz einer Krankmeldung am Abend eine Tanzveranstaltung besucht, verstößt gegen seine Pflicht, alles Zumutbare für eine rasche Genesung zu unternehmen. Außerdem sei dieses Verhalten unkollegial, so das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Sachsen-Anhalt im Disziplinarverfahren.

Was war passiert ?

Der betroffene Polizeibeamter versuchte seine anstehende Nachtschicht mit einem Kollegen zu tauschen. Als das nicht wie gewünscht funktionierte, meldete er sich für die Schicht krank, da er sich einen Nerv eingeklemmt habe.

In seiner Stellungnahme vom (…) 2012 ließ sich der Kläger wie folgt ein: Er habe sich am Mittag des betreffenden Tages einen Nerv eingeklemmt, vermutlich beim Verschieben einer Waschmaschine. Er habe vor Schmerzen nicht mehr aufrecht gehen können. Die Freundin eines Freundes, eine Physiotherapeutin, habe nach etwa einer Stunde den eingeklemmten Nerv wieder gelöst. Er habe dann eine Schmerztablette genommen und sich hingelegt. Am Abend habe er nicht mehr liegen oder sitzen können. Wenig Schmerzen habe er nur beim Stehen oder Gehen gehabt. Er habe einen Kumpel angerufen, der sich beim Oktoberfest in (E.) aufgehalten und dort gearbeitet habe. Der habe ihm gesagt, hier könne er auch stehen oder hin und her laufen. Der Kumpel habe ihn dann gegen 22 Uhr mit dem Auto abgeholt und später auch wieder zurückgebracht. Er wisse, dass es nicht richtig gewesen sei, da er sich ja krank gemeldet habe; es tue ihm leid, und er wolle sich seinen Kollegen gegenüber entschuldigen, die zu recht sauer seien. Er wisse, dass dieses Verhalten „wahrscheinlich nicht unbestraft“ bleibe.

Als sein Dienstherr von der “Tanzeinlage” Kenntnis erhielt, kürzte er ihm seine monatlichen Dienstbezüge. Er habe durch den Besuch der Veranstaltung seine Genesung verzögert. Das wollte der Mann aber nicht hinnehmen und zog vor Gericht.

Vor dem zuständigen Verwaltungsgericht hatte der Beamte noch Erfolg ...

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