Mein Kollege Ulf G. Stuberger ist gestorben

von Holger Schmidt

Ulf G. Stuberger (Foto: Frieder Dreher)

Sein Geländewagen parkt am Ende der Straße. Es ist noch ziemlich dunkel. Ein kalter, regnerischer Herbstmorgen. Am Steuer sitzt Ulf G. Stuberger, neben ihm seine Frau Savelia. Ich sehe dampfenden Tee aus einer Thermoskanne, als ich neben ihnen parke. Ulf Stuberger sieht zu mir rüber und hebt lächelnd die Hand zum Gruß. Dieser Moment fällt mir als erstes ein, als ich höre: Er ist Anfang Oktober gestorben.

Wer ihn kennt und von den Eckdaten seines Lebens weiß könnte meinen, wir wären zusammen auf Reisen gewesen, vielleicht sogar in Afrika. Leider war das nicht so. Ich bin sicher, eine Afrika-Reise mit ihm wäre ein besonderes Erlebnis gewesen. Die oben beschriebene Szene spielte sich im Herbst 2010 auf dem Parkplatz vor dem „Mehrzweckgebäude“ in Stuttgart Stammheim statt. Wir haben nicht auf Giraffen gewartet, sondern auf die Öffnung des Gerichtssaals. Eine Abenteuerreise eigener Art.

Das Interesse an diesem Prozess, an der Berichterstattung über Terrorismus-Themen allgemein und der „Roten Armee Fraktion“ im Speziellen hat uns verbunden. Über dieses Thema haben wir uns kennengelernt und bis zuletzt immer wieder Kontakt gehabt. Dabei habe ich Ulf G. Stuberger als einen besonderen Menschen kennengelernt, der Ecken und Kanten hatte – aber mir gegenüber stets freundlich, hilfsbereit und kollegial war. Gerade in Stammheim konnte man ihn auch anders erleben. Insbesondere mit Blick auf eine Frau konnte der freundliche Herr mit Manieren alter Schule binnen Sekunden zu einem fauchenden Löwen werden. Wenn er Ungerechtigkeit witterte, verstand er keinen Spaß – und kannte keine Gelassenheit. Für einen Justizkorrespondenten vielleicht eine Grundtugend ...

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