Was ist eine Pflichtteilsstrafklausel?

von Tobias Goldkamp

Pflichtteilsstrafklausel nennt man eine Regelung in einem Ehegattentestament, wonach ein Kind, welches nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils den Pflichtteil beansprucht, für den Erbgang nach dem letztversterbenden Elternteil ebenfalls auf den Pflichtteil herabgesetzt wird.

Mit dem Ehegattentestament wollen die Eltern häufig erreichen, dass nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils zunächst das zweite Elternteil Alleinerbe wird. Die Kinder sollen erst nach dem Tod des letztversterbenden Elternteils erben. Deshalb setzen die Eltern sich für den ersten Erbgang wechselseitig zu Alleinerben ein und bestimmen, dass im zweiten Erbgang – nach dem Tod des längerlebenden Elternteils – die Kinder erben.

Eine solche Regelung nennt man auch „Berliner Testament“. Sie läuft darauf hinaus, dass die Kinder erst etwas bekommen sollen, wenn beide Eltern verstorben sind, und nicht schon nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils.

Die Kinder müssen sich an diesen Plan nicht halten. Ihnen stehen Pflichtteilsansprüche zu – und zwar schon nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils, und nicht erst nach dem Tod beider Eltern.

Um zu verhindern, dass ein Kind beim Tod des erstversterbenden Elternteils seinen Pflichtteil beansprucht, wurde die Pflichtteilsstrafklausel erfunden – eine zusätzliche Regelung, die die Eltern in das Testament hinein schreiben können. Sie lautet typischerweise:

„Macht ein Kind gegen den Willen des überlebenden Elternteils nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils den Pflichtteil geltend, erhält es beim Erbgang nach dem längstlebenden Elternteil ebenfalls nur den Pflichtteil.“

Beispiel 1:

Philipp und Friederike haben zwei Kinder – Sascha und Susanne ...Zum vollständigen Artikel


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