Beweislast für Hygienemängel bei mehreren MRSA-Infektionen

von Giacomo Puccio

Beweislast für Hygienemängel bei mehreren MRSA-Infektionen OLG Hamm, Urteil vom 14.04.2015 - 26 U 125/13

Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden , dass ein Patient, bei dem während eines Krankenhausaufenthaltes eine MRSA-Infektion auftritt, einen schadensursächlichen Hygienemangel auch dann beweisen muss, wenn während der Zeit seines Krankenhausaufenthalts vier weitere Patienten MRSA-Infektionen erleiden. Allein diese Anzahl weiterer MRSA-Infektionen rechtfertigt keine Beweislastumkehr zulasten des Krankenhauses.

Problemaufriss:

Haftungsfragen im Zusammenhang mit Hygienemängeln beschäftigen die Rechtsprechung in zunehmendem Maße. In den meisten Fällen geht es dabei um den Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Kommt es während eines Krankenhausaufenthaltes zu einer Infektion, stellt sich regelmäßig die Frage, wer für die Ansteckung verantwortlich ist und ob die damit einhergehenden Beeinträchtigungen zu einem gegen die Behandlungsseite gerichteten Ersatzanspruch führen. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei der Ursprung der Infektion. Dieser bleibt aber oftmals unklar. Denn regelmäßig wird nicht auszuschließen sein, dass die Krankheitserreger bereits vor dem Klinikaufenthalt in den Organismus des Patienten gelangt sind.

Der Fall (verkürzt):

Die 1963 geborene Klägerin litt an einem Darmtumor, der im Dezember 2009 auf der allgemeinchirurgischen Abteilung des beklagten Krankenhauses operativ behandelt wurde. Im Bereich der Einstichstelle eines während der Operation gesetzten Katheters erlitt die Klägerin einen Abszess, der sich entzündete. Der Abszess musste daraufhin in der neurochirurgischen Abteilung einer Dortmunder Klinik, in die die Klägerin verlegt wurde, operativ behandelt werden. Dabei ergab sich ein MRSA-Befund. Vom beklagten Krankenhaus verlangte die Klägerin 30 ...

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