Betrug am Staat und den Opfern: Geschäftsmodell Nebenklage

von Holger Schmidt

Nebenklägeranwälte im „NSU Prozess“ (Foto: Archiv Hauzenberger)

Täglich kommen neue, unappetitliche Einzelheiten des Nebenklage-Betruges im „NSU-Prozess“ heraus: Für das angebliche Opfer Meral Keskin, das offenbar gar nicht existiert, wurden 5.000 € Entschädigung aus dem Hilfsfond der Bundesregierung gezahlt, sagte mir ein Sprecher des Bundesjustizministeriums heute Abend: Man habe gezahlt, weil die Frau ja als Nebenklägerin zugelassen worden sei, versucht der Sprecher zu erklären.

Allerdings: Umgekehrt war dem Antrag auf Zulassung der Nebenklage ein allgemeines, nicht adressiertes Einladungsschreiben der Stadt München zu einer Gedenkfeier beigefügt. 230 Verhandlungstage lang ging das gut. Dabei hätte der Schwindel schon früher auffliegen können:

Offenbar hat das „echte“ Opfer des Nagelbombenanschlags auf der Kölner Keupstraße, Atilla Ö., schon vorher mindestens einmal versucht, andere Opfer an Rechtsanwälte zu vermitteln – und sich dafür bezahlen zu lassen. Zunächst ging es um seine eigene Mutter: Sennur Ö. Um sie stritten sich im Frühjahr 2013, kurz vor Beginn der Hauptverhandlung, zwei Rechtsanwälte: Björn Hühne und Paul Fünfzig in geharnischten Schreiben an das Oberlandesgericht. Beide wollten deren Vertreter sein, schmutzige Wäsche wurde gewaschen. Am Ende schrieb angeblich Sennur Ö. persönlich an das Oberlandesgericht: Sie wolle nun nicht mehr Nebenklägerin sein, der Streit tue ihr leid.

Schon damals soll es Provisionsforderungen gegeben haben. Kaum vier Wochen später wurde dann Sennur Ö. offenbar Rechtsanwalt Ralph Willms als Meral Keskin „verkauft“. Gegen Provision, wie sein Rechtsanwalt schriftlich in einer Presseerklärung einräumt – und mündlich ergänzt: „drei bis viertausend Euro“ seien es gewesen. Zudem soll der fiktiven Frau Keskin sogar Geld „zur Unterstützung“ gezahlt worden sein, damit sie nach München kommen kann ...

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